Ayahuasca Guide – Auf den Spuren der Naturgeister

Ayahuasca – die „Amazonas-Droge“ – erfreut sich bei Reisenden in Lateinamerika eines immer höheren Bekanntheitsgrades und viele wollen infolge dessen dieses wohl „stärkste Halluzinogen der Welt“ selbst ausprobieren. Dabei sind es oft die Horrorgeschichten, die den Regenwald wieder verlassen, so wie der Bericht über einen kanadischen Jugendlichen, der angeblich im Ayahuasca-Rausch seinen Freund erstochen haben soll…
Während meines Aufenthalts im peruanischen Regenwald bei Iquitos bin ich zusammen mit zwei Freunden selbst in den Genuss einer Ayahuasca-Zeremonie gekommen und möchte mit diesem Erfahrungsbericht einige Vorurteile aus dem Weg räumen und dabei offene Fragen beantworten: Was ist Ayahuasca? Wie läuft die begleitende Zeremonie ab? Wie habe ich den Rausch wirklich erfahren? Und was musst DU beachten, wenn Du selbst überlegst, Ayahuasca auszuprobieren?

Droge oder Medizin – Was ist Ayahuasca und wie wird es benutzt?

Ayahuasca ist ein bräunlicher Pflanzensud, der aus einer Mischung regionaler Lianen, Sträucher und anderer Pflanzen des lateinamerikanischen Regenwalds zubereitet wird. Mehrere Liter Flüssigkeit werden hier im Laufe mehrerer Tage über dem Feuer zu einem starken Konzentrat eingekocht, das dann für Zeremonien und Rituale verschiedener Amazonas-Ethnien benutzt wird.
Zum einen versetzen sich Teilnehmer dieser Zeremonien mithilfe des Trunks in einen Trance-Zustand, der für ihr Verständnis von den Geistern der Pflanzen herrührt, die einen in diesem Moment beseelen. So nehmen sie gezielt Kontakt mit der Zwischenwelt auf, gehen auf meditative Gedankenreisen oder versuchen, in die Zukunft zu sehen. Zum anderen schwören Einheimische auch auf die entgiftende und heilende Wirkung des Ayahuascas für Körper und Seele, die in gewisser Weise auch bereits von der Wissenschaft untermauert wurde: eine Suchtgefahr konnte bei Studien nicht nachgewiesen werden, dafür waren bei langjährigen Ayahuasca-Trinkern häufig positive Effekte auf Psyche, Gedächtnis und Sozialkompatibilität zu beobachten. All diese Erkenntnisse führten dazu, dass eine Reihe Länder, innerhalb wie außerhalb des südamerikanischen Kontinents, Ayahuasca aus der Liste der psychotropen Substanzen gestrichen und teilweise für den religiösen Gebrauch freigegeben haben.

Trotzdem muss man wissen, dass Ayahuasca nach wie vor in eine Grauzone fällt und man vorsichtig sein muss, in welchem Kontext man es einnimmt. Denn außerhalb der Amazonas-Region ist das Getränk natürlich vor allem für seine starke Rauschwirkung bekannt, und es existieren die wildesten Theorien über die Effekte, Stärke und nötige Vorbereitung auf das Einnehmen des allgemein immer noch als „Droge“ anerkannten Gebräus.
Aber es ist wohl hilfreich zu wissen, dass man normalerweise keine Konsequenzen zu befürchten hat, wenn es nach der nationalen Gesetzeslage der Amazonas-Region geht. Diese geht nämlich normalerweise sehr hart mit Touristen ins Gericht, die wegen Drogenmissbrauch festgenommen werden. Der Konsum von Ayahuasca fällt aber (zum Zeitpunkt dieses Artikels) eben NICHT darunter.

Abgesehen von der juristischen Seite gelten auch in der Verwendung ähnliche Regeln wie bei anderen halluzinogenen Drogen: es ist nicht ratsam, Ayahuasca in Verbindung mit anderen Substanzen einzunehmen und selbst bei sachgemäßer Anwendung ist es leider möglich (wenn auch seltener), Horrortrips zu erleiden. Dies passiert insbesondere dann, wenn man bereits vor Einnahme psychisch nicht ausgewogen ist. Übermäßige Nervosität ist zum Beispiel der beste Weg zu einer negativen Erfahrung der Zeremonie. Und hier spielt das Vertrauen in den Schamanen eine extrem wichtige Rolle – dazu aber gleich mehr.

Auch ich hatte im Vornherein genügend Respekt vor Ayahuasca und den Geschichten, die um die Substanz kursieren, um für mich selbst bisher den Gebrauch ausgeschlossen zu haben. Erst das intensive Gespräch mit den Einheimischen auf meiner Iquitos-Reise gab mir das Gefühl, dass die Prozedur wesentlich unspektakulärer und vor allem ungefährlicher ist, als es nach außen getragen wird. Der Vater unseres Tourguides erzählte, wie er Ayahuasca einnahm, um zu sehen, wie erfolgreich die Gründung seiner Reiseagentur sein würde und sein Sohn sprach davon, Kontakt mit den Geistern der Pflanzen aufzunehmen, um transzendent die Treue seiner Geliebten sicher zu stellen. Dieses Vertrauen, dass die Einheimischen selbst in die Kräfte der Pflanzen legen, färbte auf uns ab und weckte in mir Interesse und vor allem neu gewonnene Zuversicht in die positiven Aspekte des Rituals. Das war die Voraussetzung dafür, dass ich mich überhaupt dazu bereit erklärte, doch an einer Zeremonie teilzunehmen. Am Ende dieses Artikels möchte ich näher auf das eingehen, was für mich und meine Entscheidung wichtig war und somit auch als Tipps für euch hilfreich sein kann, um sicher und selbstbewusst an einer Zeremonie teilnehmen zu können.
Zunächst aber soll es um meinen Erfahrungsbericht gehen:

Im Bann der Naturgeister – Was passiert während des Ayahuasca-Rituals?

Wir erklärten uns also in einer Dreiergruppe dazu bereit, ein Ayahuasca-Ritual zu durchleben, um auch als Selbstbestätigung unsere eigenen Vorurteile gegen diesen uralten Brauch auszuräumen. So besuchte uns am nächsten Tag der lokale Schamane, der sich auch nochmal viel Zeit nahm, uns gut zuzureden. Denn auch, wenn wir die Entscheidung recht guten Gewissens getroffen hatten, konnten wir eine gewisse Nervosität nach wie vor nicht verbergen. So war es toll, den Ablauf der Zeremonie vom Schamanen selbst beschrieben zu bekommen und seinen spannenden Erzählungen zu lauschen, wie seine jahrelange, extrem harte Ausbildung zum Schamanen aussah. Durch seine Ausführungen wussten wir, was auf uns zukam und gewannen mit jeder Minute mehr Vertrauen in sein Handwerk und seine Authentizität. Denn die letztendlich größte Gefahr bei einer Ayahuasca-Zeremonie ist und bleibt, an einen Schamanen zu geraten, der entweder nicht weiß, was er tut, oder gar bösartige Absichten verfolgt. Es sind eben diese Schamanen, die die Ayahuasca-Substanz falsch zubereiten und/oder anwenden und somit in der Lage sind, die Teilnehmer „spirituell zu töten“, wie es uns unser Schamane erklärte. Und eben solche Situationen sind es, in denen Schamanen in fahrlässig großen Gruppen unwissender Touristen etwas zulassen, wie die Tragödie des kanadischen Jugendlichen.
Vertrauen in den Schamanen ist das A und O und wir hatten Vertrauen – trotz, oder vielleicht gerade wegen seines unorthodoxen Auftretens: ein lockeres Hemd, aus dem der Bierbauch rausguckte, Jeans, Nike-Sneaker, den Pflanzensud abgefüllt in alte PET-Flaschen. Instinktiv würde man bei diesem Bild vielleicht die Seriosität des Schamanen hinterfragen. Je länger wir aber darüber nachdachten, desto klarer wurde uns, dass ein solch lockerer Umgang mit der Prozedur die bessere Variante ist, als einen Schamanen zu haben, der sich zwecks Unterhaltung der Touristen in ein Kostüm wirft. Wir wollten lieber eine richtige Zeremonie, keine Show ohne Substanz dahinter!

Am Abend dieses Tages kamen wir in einer der offenen Holzhütten unseres Camps zusammen, die auf Holzstelzen über der nassen Erde des Amazonas-Ufer thronen. Matratzen auf dem Boden dienten uns bereits als Sitzgelegenheit, während der Schamane noch die Räumlichkeiten vorbereitete, in dem er sie durch einräuchern und das verteilen verschiedener Pflanzensäfte gegen böse Geister schützte.
Und dann ging es irgendwann los: relativ unspektakulär wurde eine kleine handgemachte Schale mit ca. 100ml der bräunlichen Flüssigkeit gefüllt, die jeder von uns nacheinander in einem Zug leerte. Der Geschmack war, wie zu erwarten, eher weniger rosig, aber auch nicht fürchterlich: mit einem eher bitteren, erdigen Geschmack erinnerte die Substanz an einen pflanzlichen Hustensaft.

Und dann hieß es warten auf die ersten Effekte. Dazu gehört in der Regel auch die einzig quasi garantierte Nebenwirkung des Ayahuascas: das Erbrechen… Ja, man muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Ayahuasca einem höchstwahrscheinlich den Magen umdrehen wird, weswegen auch jeder von uns seinen persönlichen Plastikeimer vor sich stehen hatte. Das gehört aber nun einmal zu der reinigenden Wirkung des Konzentrats und verdirbt einem nur am Anfang den Spaß an der Sache. Nach etwa 30 Minuten sollte dieser unangenehme Teil weitestgehend vorüber und keine weiteren Nebenwirkungen zu erwarten sein. Ich hatte sogar das Glück, mich kein einziges Mal übergeben zu haben, was wohl auch vorkommen kann, wenn man einen etwas stärkeren Magen besitzt. Dennoch sollte man wie gesagt mit dem Regelfall rechnen, den normalen „Brech-Zyklus“ zu durchlaufen, so wie meine beiden Zeremonie-Partner.

Nach besagten 30-40 Minuten begannen dann die ersten halluzinogenen Wirkungen.
Ich kann und werde natürlich primär von meinen Erfahrungen berichten. Dennoch war es im anschließenden Austausch mit den anderen Teilnehmern der Zeremonie faszinierend zu erfahren, wie ähnlich unsere Sinneseindrücke doch waren. Natürlich variierten die konkreten Visionen, die sich vor uns abspielten, aber der Verlauf und das Grundgerüst war an vielen Stellen fast deckungsgleich.
Es begann mit der Veränderung des Raumes um mich herum. Ich nahm war, wie das Dach unserer Hütte sich ganz langsam von den Streben abzuheben schien und sich schließlich von einigen Metern Höhe wieder sanft senkte. Teile der Luft um uns rum schienen wie Hitzewellen zu wabern. Zusätzlich zu den visuellen Eindrücken verschärfte sich als nächstes der Gehörsinn. Durch die sowieso extrem lebendige Geräuschkulisse, die der Regenwald bietet, war das ein besonders eindrucksvolles Erlebnis. Mir schien es, als würde ich Brüllaffen oder Vögel hören, dessen Schreie kilometerweit durch das Dickicht zu mir durchdrangen.

Trotz der Intensität der Eindrücke ist die Einschränkung der sinnlichen Wahrnehmung und motorischen Fähigkeiten nicht vergleichbar mit etwa Alkohol. Das, was sich vor offenen, wie geschlossenen Augen abspielt, sind ohne Frage sehr intensive Halluzinationen. Gleichzeitig aber ist man sich zu einem fast nüchternen Maße bewusst, an welchem Ort und in welchem Zustand man sich befindet. Die Sprachfähigkeit bleibt und die Feinmotorik ist nur wenig eingeschränkt, was wir vor allem erst dann bemerkten, als wir gegen Ende der Zeremonie aufstanden. Den Rausch insgesamt habe ich viel mehr als Bewusstseinserweiterung wahrgenommen, weniger als „Betäubung“. Dies kann aber natürlich auch gut auf die Dosis zurückzuführen sein, die wir uns verabreichten.

An dieser Stelle möchte ich nochmal aus meinem Kopf herausgehen und beschreiben, wie die Zeremonie von Seiten des Schamanen abläuft:
Ich habe bereits ein paar mal die zentrale Rolle des Schamanen erwähnt, und diese geht auch weit über die reine Vorbereitung und Verabreichung der Substanz hinaus! Er selbst nimmt ebenfalls eine kleinere Portion des Ayahuascas, und während er den Raum mit dem Rauch seiner Zigaretten aus lokalem Tabak beweihräuchert, wiederholt der Schamane während der gesamten ca. 3-4 Stunden des Rituals denselben Gesang. Die gespenstisch anmaßenden Strophen (die ihr hier in einem Elektrosong verarbeitet hören könnt) bilden dabei für die Teilnehmer der Zeremonie eine Art „Anker“ in der Realität. Sobald man das Gefühl hat, zu intensiv in den Visionen zu versinken, muss man sich nur auf die Stimme des Schamanen und den Gleichtakt des kleinen Pflanzenschlägels fokussieren, mit dem er als Begleitung auf die Holzplanken der Hütte klopft. Wenn einem die innere Unruhe auch nach außen anzusehen ist, so kommt der Schamane sogar von selbst zu einem und versucht, mit Klopfen auf den Kopf und dem Einhüllen in den Rauch seiner Zigaretten die bösen Geister zu vertreiben.

Nach schätzungsweise 60-90 Minuten innerhalb der Zeremonie war ich drauf und dran, die Bilder aus meinem Inneren zu ergründen. Mit Schließen der Augen liefen ganze Kinofilme vor mir ab, die wesentlich schärfer und realer waren, als die diffusen Bilder vorm inneren Auge, die man sonst gewohnt ist. Viel davon waren Visionen, die das aufbereiteten, was ich den Tag über erlebt hatte: während unserer Regenwaldwanderung hatten wir ein Affenreservat besucht und schon während der Fahrt über den Amazonas bereits zahlreiche Tierarten beobachtet, mit denen ich mich entsprechend gedanklich beschäftigt hatte. Das reichte aus, um Gegenstand meines meditativen Kinos zu werden. Affen, Papageien, Schlangen, Spinnen formten sich zu lebendigen Mandalas, die sich immer wieder auflösten und zu neuen, wunderschönen Formationen formten. Gelegentlich sprang meine innere Kamera in extreme Nahaufnahmen einzelner Tiere heran, worauf diese sich mir zu wanden und mir glasklar in die Augen sahen. Diese Bilder waren dabei für mich persönlich keineswegs beängstigend, sie waren faszinierend!

Besonders spannend wurde es aber in dem Moment, in dem ich merkte, dass ich nicht nur einer Art „Tagtraum“ unterlag, sondern meine Gedankenreise aufs höchste steuerbar war. Die darauf folgende Phase kann ich nur mit dem vergleichen, was mir einige über das luzide Träumen berichtet haben. Nur mit Gedankenkraft tauchte ich ab in Unterwasserwelten, konnte mich durch das Drehen meines Kopfes in der realen Welt auch in meiner Vision in den Säulengängen von Atlantis umsehen.
Um die Grenzen der Vorstellungen auszutesten, fing ich irgendwann an, mit dem Konzept von Zeit zu spielen. Die Zeitreise begann zunächst entlang eines Zeitstrahls, aber schnell setzte sich eine ganz andere Visualisierung von Zeit durch: ich begann, Zeitpunkte als Orte wahrzunehmen. Ich schaute über eine endlose Karte, auf der jeder Moment seine eigenen Koordinaten hatte. Ich war in der Lage, mich in der Zeit vor und zurück, rechts und links zu bewegen, wie ich es nur vom Räumlichen kannte. Mein Weg führte mich dabei zum Beispiel hinter eine schwere Bunkertür, die aufschwang und die letzten Momente offenbarte, die Adolf Hitler vor seinem Selbstmord in seinem Bunker verbrachte.

Andere Eindrücke, die sich dabei auch mit denen der beiden anderen Teilnehmern deckten, waren Visionen von Leuten im Raum. Silhouetten, mal von Männern, mal von Kindern, mal von Giganten, die entweder friedlich bei uns saßen, uns von sicherer Distanz beobachteten oder irgendwo in Sichtweite hintereinander her liefen. Auch bestimmte Geräuschkulissen unserer Umgebung, die Aufarbeitung der Erfahrungen des vergangenen Tages und nicht zuletzt die luziden Fähigkeiten innerhalb des Rausches waren allesamt Dinge, die wir größtenteils gleichermaßen erlebten.

Nach einiger Zeit, die ich lediglich grob auf 3-4 Stunden zu schätzen vermag, stoppte der Schamane seine Gesänge und erklärte damit die Zeremonie für beendet. Wir befanden uns immer noch unter Resteinfluss, aber spürten auch, wie erschöpft unsere Körper von der Gedankenreise waren. So begaben wir uns, zwar nicht torkelnd, aber sehr langsam und mit leicht zittrigen Knien, in unsere Schlafhütten, in denen wir den Rest der Nacht tief schliefen und am nächsten Morgen katerfrei, aber natürlich mit hohem Gesprächsbedarf, aufwachten.

Es waren weniger die zwar sehr realen, aber trotzdem eindeutig von mir selbst projizierten Bilder, die ich in Erinnerung behalte. Aber die Fähigkeit, zu reisen wohin ich will, und dabei auch Konzepte wie Zeit, die eigentlich manifestiert zu sein schienen, zu ergründen, DAS war definitiv die unglaublichste Erfahrung von Spiritualität und Transzendenz, die ich je gemacht habe. Auch, wenn mich persönlich dieses Experiment nicht dazu gebracht hat, von nun an Pflanzengötter anzubeten, so wundert es mich nach dieser Erfahrung trotzdem nicht, welche Bedeutung die Einheimischen der Region diesem Getränk zusprechen.

Und jetzt ihr – Was gilt es zu beachten?

Schon aus rein rechtlichen Gründen sollte ich in diesem Artikel niemanden dazu auffordern, Ayahuasca einzunehmen. Und auch unabhängig von meiner juristischen Unantastbarkeit würde ich selbst wahrscheinlich kein zweites Mal mein Glück mit dem Konzentrat versuchen. Risikofreien Konsum gibt es nicht, das gilt auch für Ayahuasca!
Aber ich bin dennoch stolz, dieses eine Mal den gefürchteten Sud bezwungen zu haben und dabei nicht mit einem Horrortrip sondern einer extrem positiven, bereichernden Sinneserfahrung zurück geblieben zu sein. Somit kann ich es verstehen, wenn der ein oder andere, der den Artikel bis hierhin verfolgt hat, ein gewisses Interesse daran hegt, Ayahuasca selbst einmal auszuprobieren.
Was waren also die für mein geglücktes Experiment relevanten Rahmenbedingungen?

  1. Seid euch eurer Rechte bewusst
    Sich nicht mit der Angst vor rechtlichen Folgen beschäftigen zu müssen, ist ein großer Gewinn. Nehmt Ayahuasca nur dort ein, wo es von der Strafverfolgung ausgeschlossen ist!
  2. Nehmt in einer kleinen Gruppe unter Bekannten teil
    Ihr solltet mindestens eine Vertrauensperson innerhalb der Gruppe haben, die ihr kennt und schätzt. Auch wenn ihr euch während des Rausches wenig austauschen werdet, so gilt es, mögliche Faktoren der Nervosität & Unsicherheit im Vornherein zu reduzieren, um einem Horrortrip vorzubeugen. Eine psychische Unausgewogenheit ist, wie bereits erwähnt, einer der größten Faktoren, die zu einer schlechten Erfahrung bei vielen Substanzen führen können. Außerdem ist es natürlich besonders schön, auch im Nachhinein ungehemmt im Gespräch das Erlebte verarbeiten zu können.
  3. Setzt euch intensiv mit der Materie auseinander
    Mit diesem Artikel habe ich mein Bestes gegeben, eine gute informative Grundlage zu schaffen. Nehmt mich jedoch nicht als einzige Quelle! Abgesehen von den wachsenden Informationen, die es online gibt, unterhaltet ihr euch am besten mit jemandem vor Ort. Idealerweise ist es der Schamane selbste, der euch mit der Prozedur näher vertraut macht.
  4. Unternehmt KEINE (!) besonderen Vorbereitungen
    Es kursieren einige Legenden, nach denen man sich mehrere Tage vor der Prozedur schon aushungern, das Immunsystem abschwächen, oder anderes tun muss, um die reinigende Wirkung zu amplifizieren. Lasst es euch von mir gesagt sein: KEINE dieser Maßnahmen sind für die Zeremonie notwendig, wahrscheinlich noch nicht mal ratsam. Stattdessen: gesund sein, gegessen haben und im Vorfeld nüchtern bleiben – so hat es bei mir geklappt.
  5. Haltet Verhaltensregeln ein, die bei anderen Substanzen auch üblich sind
    Insbesondere die Einnahme mit anderen Drogen zusammen ist natürlich nicht ratsam!
  6. Und das ALLER wichtigste: entwickelt Vertrauen in den Schamanen
    Je unauthentischer, desto besser… Schamanen, die sich in Kostüme werfen, sind meist die schlechteste Wahl. Je weniger touristisch und je persönlicher eure Tour, desto größer die Wahrscheinlichkeit, an einen richtigen Schamanen zu gelangen. Ein solcher hat eine jahrelange spirituelle Ausbildung hinter sich, von der er euch gerne erzählt! Sucht im Vornherein schon Kontakt zu ihm, lasst euch von seinen Geschichten berieseln und gewinnt ein Sympathie-Gefühl für seine Person. Letztlich ist es einzig der Schamane, der als zentraler Begleiter der Zeremonie deren Verlauf und Ausgang bestimmt. Solltet ihr tatsächliche Zweifel an seinen Absichten haben, hört auf euer Bauchgefühl! Zu einer Entscheidung für Ayahuasca sollte euch keiner zwingen wollen.

Ein paar abschließende Worte

Die Ayahuasca-Zeremonie und der dazugehörige Rausch waren eine extrem einschneidende Erfahrung. Ich hatte das Glück, mit minimalen Nebenwirkungen eine meditative Reise der besonderen Art zu unternehmen und dabei einige Schranken und Vorurteile im Kopf auszuräumen. Diese rein positive Erfahrung war für mich ein perfekter Abschluss einer sowieso unglaublich vibranten Reiseerfahrung am Amazonas und ein extrem spannendes Thema, um darüber ein paar Worte zu verlieren. Ich glaube, dass Ayahuasca zu Unrecht verteufelt wird und würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass der Pflanzensud wahrscheinlich wesentlich weniger Risiken birgt, als viele andere (besonders chemische) Stoffe.

Allein deswegen wollte ich meine Geschichte mit dem Rest der Welt teilen und hoffe, dass ich zum Informationsreichtum rund um Ayahuasca beitrage und anderen bei ihrer Entscheidung für oder gegen die Substanz helfe.
Trotz allem: better safe than sorry! Lasst euch zu nichts drängen und gebt euch im Zweifel mit dem Gedanken zufrieden, über das Thema ein bisschen besser Bescheid zu wissen, auch ohne euch selbst einer eventuellen Restgefahr ausgesetzt zu haben. Auch ich werde ziemlich sicher kein zweites Mal zur Schale greifen…

Vielen Dank fürs Lesen und checkt gerne den Rest des Blogs aus – darunter auch einige bewegte Bilder von Peru und meinen Reisen.

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