Vom 5. bis 9. April war ich wieder in Armenien. Diesmal möchte ich euch aber nicht mit einem erneuten Tagebuch belästigen, sondern euch erzählen wie man Schuhe noch in guter Handarbeit, genau an den einen bestimmten Fuß angepasst macht – und das anhand meiner neuen Anzugschuhe!

1. Wir betreten den Laden des Schuhmachers, Armen. Ich schaue mir die dortigen Schuhe an und mische mir im Kopf meinen Lieblingsschuh zusammen. Das Leder des einen, die Sohle des anderen, der Vorderschuh eines wieder anderen, die Schnürung noch eines anderen. Das ganze erkläre ich dann Armen. Er vermisst meinen Fuß genau.
2. Was eigentlich nicht dazu gehört ist der Besuch in der Schuhfabrik, in der ca. 10 Leute arbeiten. Dort sucht der Designer erst einmal eine „Prothese“ für meine Schuhform oder macht eine neue. Darauf entwirft er den Schuh und macht daraus wiederum Schablonen.
Die einzelnen Schritte die dann gemacht werden sind unter anderem:
- Die Sohle muss gemacht werden. Selbst die Sohle wird selbst gemacht. Entweder aus Leder oder aber aus Gummi. Ich habe mich für eine Gummisohle entschieden, da diese nicht so leicht kaputt geht und nicht so vieler Pflege bedarf.

- Die Schablonen werden auf das Leder gelegt und ausgeschnitten. Dabei, so wurde uns erklärt, ist es aber auch wichtig welcher Teil des Leders für welchen Schuhteil genommen wird, da die einzelnen Teile der Tierhaut sich unterschiedlich gut verbiegen lassen. Ich habe mich für schwarzes Leder entschieden. Aus Gründen der Pflegefaulheit natürlich kein Wildleder.

- Die Lederteile werden nach den Plänen des Designers zusammen genäht und auf die Prothese gespannt. Das Leder wird formbar gemacht und dann mit Nägeln an der Prothese fixiert. Ein Schuh ist damit schon erkennbar, die Innensohle, die auch dort hergestellt wird, ist auch schon angebracht. Es fehlt nur die Außensohle.

- Nachdem das Leder nun die neue Form – die meines Fußes – angenommen hat, werden die Nägel entfernt und Sohle und Oberteil zusammengeführt. Der Kleber, der in der ganzen Fabrik zu riechen ist, steigt einem spätestens dort in die Nase und man wird langsam high.

Der Schuh ist nun soweit fertig und bereit von mir getragen zu werden.
Das unglaubliche ist, dass der Schuh mich 23.000 Dram gekostet hat, umgerechnet 50 Euro. Dafür bekommt man in Deutschland nicht einmal gute Anzugschuhe von der Stange. Armen kann auch auf viele große Aufträge von der Amerikanischen Botschaft etc. verweisen, von denen Briefe an der Wand seines Büros liegen. Echt bemerkenswert und meiner Meinung nach daher auch ein muss für jeden Armenienreisenden, sich dort Schuhe machen zu lassen, wo früher für die halben Sowjetstaaten die Schuhe hergestellt wurden.