48 Stunden in Taipeh

Was ich bisher von Taipeh gelernt habe (unter anderem):

-       hier gibt es coole Priester, die gay marriages durchführen

-       man muss trinkfest sein, um als „salesman“ zu arbeiten

-       Kirin Chu Hi (Ananas) hat 5% Alkohol

-       Unter 20 kann ich in Taiwan keine SIM-Karte kaufen

-       Man muss sich durch einige Formulare kämpfen, um hier hiken gehen zu können

-       Meine Passnummer (auswendig)

-       „ein paar Tage“ können verdammt und verdammt kurz sein

-       nach dem Tod seiner Eltern isst man in Taiwan für etwa zwei Monate vegetarisch

-       taiwanesische Schüler haben weniger Freizeit als japanische

-       was man auf Taiwanesisch sagt, wenn man zufrieden das Bier absetzt

-       man kann sich mitten im Regenwald hoffnungslos verlaufen und trotzdem nach 10 Minuten Busfahrt wieder an einer Metrostation sein

-       die Taiwanesen mischen einfach Taoismus und Buddhismus – because we can

-       Taiwan erobert gerade China mittels Bubble Tea und „85°C“ (jeder, der mal in Shanghai war, weiß, wovon ich rede^^)

-       Dass die meiste Taiwanesen zumindest etwas Japanisch zu sprechen scheinen

-       Dass taiwanesischer Jianbing kleingeschnitten und mit Soße und Stäbchen gegessen wird

- “dìtie” ist nicht gleich “jiéyùn”

 

Fotos gibt es wie immer hier

Meine persönlichen Shanghai Highlights

Um zwei Uhr morgens einen weißen Sessel an der Huaihai Lu finden und dort ein Fotoshooting machen.

Am letzten Samstag überhaupt schönes Wetter haben und eine Wasserschlacht in/an der Fontäne am Peoples Square gegenueber dem Shanghaier Regierungsgebaeude mitmachen.

Beim Midi-Festival headbangen, crowdsurfen und beim letzten Act mit den chinesischen Fans über die Absperrung gelassen werden, um direkt an der Bühne mit der Security zu feiern.

Metal/Rockkonzerte im MAO-Livehouse. Bei anbrechendem Sommer einen Tag im Century Park verbringen.

Feiern bis zur ersten Ubahn.

Nachts Streetfood gegen den Alkohol.

Lamian hinterm Marriot essen.

Cityshop für die kleine Portion Heimat zwischendurch mit Käse, dunklem Brot und Müsli.

Die mit Teelichtern beleuchteten Toiletten im poshesten Club Shanghais, dem M1NT.

Spaziergang in der French Concession.

Beim kleinen Laden auf der Ecke an der Changshu Road „japanisches“ Sushi holen.

Bei Dunkelheit im Barbarossa mitten im People’s Park eine der genialen Pina Coladas dort trinken.

Eine Fahrradtour vom Bund bis Jing An (oder darüber hinaus) machen.

Nachts von der Captains Bar aus die Aussicht auf Pudongs Skyline genießen.

Etwas Kung Fu lernen.

Brief nach Hause

Hallo Deutschland,

ich dachte, ich sollte mich vielleicht mal melden. So zum Ende meines Jahres hin – vor neun Monaten bin ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen und seitdem nicht mehr zurückgekommen. Das erste Mal, dass ich so lange weg war von dir. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber ich glaube, dass ich dich nie wieder so sehen werde, wie vor meinem Jahr in China – nicht einmal wegen der Dinge, die ich hier erlebt habe, sondern wegen der, die ich hier eben NICHT erlebe. Ich will kein Loblied auf dich singen, aber für ein paar Sachen möchte ich mich doch bedanken – auf die freue ich mich auch schon, wenn ich wieder zurückkomme!

Als allererstes sind da natürlich meine Familie und Freunde. Und vielleicht sogar dieses Gefühl, dass man alles kennt und nichts neu ist – obwohl, doch eher nicht. Manchmal habe ich das Gefühl jetzt auch in Shanghai, letztendlich gibt’s dann aber doch noch einen Haufen zu entdecken. Und gerade weil Shanghai jetzt auch ein bisschen Heimat geworden ist, habe ich immer wieder versucht, hier herauszukommen und noch mehr zu entdecken oder in der Stadt unbekannte Ecken zu finden, an denen es wahrlich keinen Mangel gibt.

Aber eigentlich wollte ich dir ja sagen, was ich gut an dir finde und was ich (wenn ich ganz ehrlich bin) ganz profan und weltlich vermisse, weil ich ein kleines Luxuskind bin: Schokolade (dunkle, weiße, Rittersport, Gepa, Milka, Schokakola, Netto-Schokolade mit 65%, mit Schokomousse, mit Kaffee, Sahne, Alpenmlich, Joghurt, Erdbeer, Haselnuss, Mandel, Marzipan…). Käse (langweiligen Analogkäse, Basilikum, Chilli, Oregano, Brennessel, Brie, Gouda, Emmentaler, Ziegenkäse, Schafskäse, Gorgonzola, Schmelzkäse für die Pizza, Parmesan…). Vernünftiges Brot und Brötchen (Mehrkorn, Schwarz, Weltmeister, Kürbis, Springbrötchen…). Ein Ofen im Haus = Plätzchen zu Weihnachten und Kuchen im Rest des Jahres wenn man gerade Lust darauf hat. Isolierte Wohnungen und Heizungen im Haus, die man selber regulieren kann (Winter ist am schlimmsten, wenn man draußen UND drinnen friert und es auch bei geschlossenen Fenstern zieht).  Eine gut ausgebaute Kanalisation (sodass man das Toilettenpapier einfach in die Toilette schmeißen kann). Freies und schnelles Internet (denn man kommt zwar dahin, wo man hin will, aber immer nur mit Aufwand und Zeitverschwendung).  Nur auffallen, wenn ich auch auffallen möchte und mich komisch anziehe oder meine Haare färbe – aber niemand mir wegen meines Aussehens hinterherruft oder mich anstarrt. Gewässer, die sauber genug sind zum Schwimmen und in denen man auch schwimmen darf. Weniger übles Gedrängel und Geschubse im Nahverkehr. Etwas mehr Eigeninitiative und dafür weniger Leute, die glauben, dass Probleme einfach verschwinden, indem man sie ignoriert.

Nach so vielen guten Sachen habe ich aber auch Vorschläge an dich, liebes Heimatland, denn es gibt hier in China einiges, was du dir ruhig mal abgucken könntest! Wie wäre es zum Beispiel, wenn man auf den superdreckigen Toiletten den Toilettensitz nicht berühren müsste und mit dem Fuß spülen könnte? Nimm dir ein Beispiel an chinesischen Hockklos! Ich nehme auch alles zurück, was ich schon mal darüber geschrieben habe, dass wir froh über die Deutsche Bahn sein können, China gewinnt in dieser Hinsicht ganz klar das Duell – liebe DB, wo bleibt eurer Ehrgeiz? Hier in China sind die Bedingungen doch ungleich schlechter, es sind viel, viel, viel mehr Menschen, die über unendlich viel längere Strecken transportiert werden wollen. TROTZDEM ist bisher erst einer meiner Züge verspätet angekommen! In neun Monaten! Mach das mal nach, dann reden wird wieder. Außerdem könnte man doch in Deutschland einführen, dass auch überall heißes Wasser angeboten wird – umsonst. An den Bahnhöfen, im Zug, am Flughafen hinter der Sicherheitskontrolle. Damit sich jeder seinen Tee und seine Instantnudeln, das einzig wahre chinesische Nationalgericht, machen kann. Überhaupt sind Tee und heißes Wasser in China eine ziemlich tolle und weit verbreitete Sache, die man auch gerne mal im Restaurant standardmäßig und oft umsonst bekommt, so viel man möchte. Etwas anderes wenn man essen geht ist auch die ganze Art, wie man isst – in Deutschland sich jeder sein eigenes Gericht und bekommt seinen Teller. Wie ich schon einmal geschrieben habe, läuft das hier ganz anders: Man bestellt einen ganzen Haufen verschiedener Gerichte, die alle in die Mitte gestellt werden, manchmal auf so eine geniale Drehscheibe. Für sich selber man hat nur einen Teller für Abfälle, einen Becher und/oder ein Glas und eine Schale, in die man sich das Essen aus der Mitte tut, was man gerne haben möchte. Ich finde das irgendwie geselliger als Essengehen in Deutschland. Und ganz abgesehen davon kann man soooooo viele verschiedene Gerichte bei einem Abend im Restaurant ausprobieren und muss sich nicht entscheiden :D

Überhaupt, das Essen! Chinesisches Essen ist zweifellos lecker, aber nach einer Weile auch nicht mehr so aufregend. Viel lieber als das, was man im Restaurant bekommt, mag ich das Streetfood – immer und überall gibt es frische Kleinigkeiten für ein paar Kuai. Grillspieße mit Gemüse oder Fleisch, Reisrollen mit knuspriger Füllung, gedämpfte Teigtaschen, pfannkuchen- oder crêpeartige Teigdinger mit Salat, Eiern, Soße und/oder knsuprigem Teig, Suppe… Es geht bis ins Unendliche. Das werde ich in Europa definitiv vermissen. Ein netter Zug der Chinesen ist auch, dass es niemandem etwas ausmacht, wenn man sich einfach in ein Café reinsetzt, ohne etwas zu kaufen. So lief zum Beispiel mein Bewerbungsgespräch für Enjoy Shanghai ab – wir saßen eine halbe Stunde in einem Costa Coffee, redeten und machten uns dann wieder auf. Niemand schien auf die Idee gekommen zu sein, uns nach einer Bestellung zu fragen. Ich glaube, das drückt etwas aus, was einen der wesentlichen Unterschiede zwischen Deutschland und China ausmacht: Hier wird einfach alles ein bisschen lockerer genommen, Regeln sind ja auch eher Richtlinien und irgendwie wird schon alles gut werden. Einerseits ist das sehr erfrischend, andererseits auch etwas anstrengend, wenn man daran gewöhnt ist, wie so etwas in Deutschland abläuft. Eine etwas entspanntere Einstellung dem Leben gegenüber würde ein paar Deutschen glaube ich auch mal ganz guttun…

So, das ist dann doch alles recht lang geworden. Ich versuche ja gerade für mich selber zu entscheiden, ob es gut oder schlecht ist, dass ich nächste Woche wegfliege, aber irgendwie komme ich zu keiner Entscheidung. Vielleicht sehe ich ja klarer, wenn ich am Flughafen bin.

Grüße aus Shanghai,

Katharin

Als Ausländer in Shanghai

Es gibt so ein paar Sachen, die sind in Shanghai einfach anders als in Deutschland – ich werde die nächsten Tage nochmal detaillierter darüber schreiben, aber hier wollte ich einfach mal kurz auf ein paar Sachen eingehen, die einem auf jeden Fall auffallen und an die man sich gewöhnen muss:

Zuerst wäre da Ausländersein. Man muss sich daran gewöhnen, dass man immer ewiger Ausländer ist, weil jeder auf Anhieb sieht, dass man kein Chinese ist. Das führt selbst im ach so internationalen Shanghai noch dazu, dass man komisch angestarrt wird, Leute einem „Hello!“ hinterrufen und jeder Verkäufer und Taxifahrer einen immer erstmal für einen ausländischen Touristen ohne irgendeinen Plan von der Stadt hält.

Weiter geht’s hier, da blogge ich regelmäßiger und mit mehr Bildern :)

7 Erkenntnisse der letzten Tage

  1. Ein Tag, der „okay“ ist, kann mit einem vernünftigen Käsebrot zu einem guten Tag gemacht werden.
  2. Die Toiletten in den chinesischen Schnellzügen (Gaotie) haben exakt das gleiche Layout wie die im deutsche ICE. Was auch immer das bedeuten mag.
  3. In China warten sowohl Busse als auch Flugzeuge auf Passagiere (darum sind auch alle Flüge, die ich bisher hatte, mit ca. einer Stunde Verspätung abgeflogen – warum pünktlich am Gate sein, wenn man weiß, dass der Flieger doch mindestens eine halbe Stunde oder länger wartet? Wir Deutschen sind ja so spießig!)
  4. Wenn man sich nicht auf die Schnellstraßen traut, die zu den Brücken führen, gibt es nachts keine Möglichkeit, mit dem Fahrrad den Huangpu zu überqueren, der Puxi und Pudong trennt.
  5. Ein chinesischer Wetterbericht sieht standardmäßig etwa so aus: Morgen 18 bis 27°C. Na dann viel Spaß beim Klamotten auswählen!
  6. Kung-Fu macht Spaß, besonders im Century Park bei strahlendem Sonnenschein.
  7. Es gibt mindestens einen Chinesen, der in der U-Bahn nicht mit seinem iPhone spielt, sondern mit einem pinken Gameboy Color.

 

Verregnetes Wochenende mit genialer Aussicht

(den gleichen Text mit Bildern gibt es hier, die waren mal wieder zu groß, um sie hier hochzuladen)

Vor kurzem ist mir aufgegangen, wie wenig Zeit ich eigentlich noch in Shanghai und China überhaupt habe. Ich hatte noch ein paar Wochenendtrips auf meiner Liste (die ich schon erheblich gekürzt habe) und letzte Woche war ich dann an einem dieser Orte: Sanqingshan in der Provinz Jiangxi.

Hingefahren bin ich zum Wandern. Eigentlich hatten Annina und ich geplant, zusammen zu fahren, aber weil sie wegen eines umgeknickten Fußes nicht mehr richtig laufen konnte, machte ich mich dann letztendlich leider doch alleine auf den Weg. Auf eine sechsstündige Zugfahrt folgten noch zwei Stunden im Bus an dicht bewaldeten, grünen Berghängen entlang, während sich parallel zur Straße weiter unter ein Fluss durch die Berge schlängelte. Da merkte ich dann auch erst, wie gut es sich anfühlte, mal wieder richtig aus der Stadt herauszukommen. Im Hotel wurde ich dann quasi von einer Gruppe älterer Chinesen aus Shanghai adoptiert, die  schon im Zug dem Baijiu (chinesischer Reisschnaps, schmeckt grauenhaft für die meisten Ausländer). Sie waren total begeistert von der Tatsache, dass sie mit mir Englisch reden konnten, ich Chinesisch lernte und noch jünger als ihre Kinder war, was sie dazu veranlasste, mich zu neuen Enkelin zu erklären. Als ich dann beim Abendessen sagte, dass ich kein Fleisch äße, verkündeten zwei der chinesischen Opas entschieden, dass sie dann heute auch keins essen würden :D

Eigentlich wollte ich am nächsten Tag mit ihnen auf den Sanqingshan steigen, weswegen ich ja überhaupt hergekommen war. Leider verpasste ich sie um zehn Minuten und holte sie auch nicht mehr ein (sie nahmen die Seilbahn), sodass ich letztendlich doch allein die zahllosen Stufen hochkletterte. Die ersten knapp 90 Minuten Weg hätte ich auch durch einen Seilbahntrip ersetzen können, aber so hatte ich das ganze Zeit über meine Ruhe und war in der Natur ziemlich allein – bis auf die Träger, die Wasser und Bier für die Läden weiter oben am Berg trugen. Die Aussicht war teilweise schon ganz nett, es war warm und trocken, alles in allem sehr angenehm. Je weiter hoch ich kam, desto nebliger wurde es jedoch und irgendwann fing es auch an zu regnen. Sobald ich die Stelle erreichte, an der die Seilbahn ihre Passagiere ausspuckte, wurde es auch voll. Und „voll“ in China bedeutet wirklich, richtig voll und gleichzeitig auch laut. Zugegeben, die Chinesenmassen in ihren bunten Regencapes sahen auch irgendwie witzig aus, aber mit zunehmendem Regen hatte ich dafür kein Auge mehr. Die Wolken wurden immer dichter und oft konnte man die Berge und die beeindruckende Landschaft dahinter nur grob erahnen wenn überhaupt.

Der Regen wurde auch immer schlimmer und zwischendurch setzte ich mich bei einem der Kioske für eine halbe Stunde hin, um zumindest wieder ein bisschen aufzuwärmen, was aber nicht wirklich klappte. Irgendwann schüttete es wirklich nur noch und ich war schon froh, wenn es mal etwas weniger wurde. Meine Kamera holte ich auch nicht mehr raus, alles andere als eine Unterwasserkamera hätte unter den Bedingungen wohl nicht überlebt.  Man hätte dort oben wohl auch noch eine weile ganz gut rumlaufen können, ich bin z.B. nicht den Weg zu dem taoistischen Tempel gegangen, aber der Regen war einfach zu krass. Auf dem Rückweg wurde es dann echt verrückt, denn das kleine Flüsschen, an dem der Weg entlang führte und manchmal mit Brücken kreuzte, war so sehr angeschwollen, dass mir das Wasser bis über die Knöchel reichte und ich faktisch mehrmals durch kleine Wasserfälle durchlief. Nicht unbedingt die beste mögliche Behandlung für meine Schuhe…

Da ich das Gewandere oben auf dem Berg extrem abgekürzt hatte, war ich schon am frühen Nachmittag wieder zurück im Hotel, freute mich über eine heiße Nudelsuppe und verbrachte den Rets des Tages damit, mich wieder aufzuwärmen. Am nächsten Tag musste ich dann um 7 Uhr den ersten Bus über die holprigen Straßen durch die ganzen dörfer zurück nach Yushan nehmen, um meinen Zug zu erwischen.

Wenn das Wetter besser ist, ist der Sanqingshan bestimmt ziemlich beeindruckend. Das war er so zwar auch, aber es gibt einfach so einen Punkt, an dem einem so kalt ist, dass man dafür kein Auge mehr hat, so schade da auch ist. Trotzdem würde ich sagen, dass sich der Trip durchaus gelohnt hat, allein schon um einmal wieder etwas Natur zu sehen und wegen der Aussicht während des Bustrips von Yushan zum Sanqingshan.

Reise in den Norden

Und von Beijing aus noch ein Stück weiter in den Norden – Chengde.

Manche Sachen da waren echt cool, man fühlte sich nur bei den Eintrittspreisen ziemlich ausgebeutet – man zahlt da so das 5 bis 10-fache von dem, was man sonst in China zu zahlen hat :/

Besonders cool war der/die kleine Potala, eine Kopie des berühmten Klosters in Lhasa.

Bilder gibt es hier