Mit Maki in Thailand

Entschuldigt die Verspätung, aber jetzt kommt der Eintrag zu Thailand.

Thailand war toll! Was anderes kann man nicht sagen. Die Menschen in Thailand sind wirklich hilfsbereiter und freundlicher als Chinesen. Statt Murren und Gleichgültigkeit den Kundenwünschen gegenüber, begegnet dem Reisenden in Thailand Aufgeschlossenheit und viel Geduld. Es wird auch von sich aus Hilfe angeboten, wenn man mal orientierungslos mit der Karte am Straßenrand steht. Fast alle Thais sprechen etwas Englisch, sodass der Kontakt zu Ausländern leichter fällt. Thailand ist einfach ein weltweit beliebtes Touristenland und hat sich schon viel früher als China für den Tourismus geöffnet, sodass die Menschen eher an Ausländer gewöhnt sind und keiner einen komisch anguckt, wenn man kein Einheimischer ist. Die Infrastruktur ist auch super. Reisen in Thailand ist ohne Thai-Kenntnisse sehr gut möglich. Alles ist auch auf Englisch ausgeschildert und Touristenbusse zu günstigen Preisen erleichtern die Anfahrt. Man kann sich ganz einfach bei einer Organisation eine Fahrt zum gewünschten Ort buchen lassen und dann selber losziehen. Bei den Touristenbussen sollte man aber gewarnt sein: Sie sind deshalb so günstig, weil später jemand der Besatzung in den Gepäckraum gehen wird und das Gepäck nach wertvollen Gegenständen wie Geld und Laptop durchsuchen wird. Ein Schloss hilft oftmals wenig. Die Diebe haben mehrere Stunden Zeit die Schlösser aufzubrechen und wieder zu verschließen und das nötige Handwerkszeug ist auch an Bord. Ich bin 3 Mal mit diesen Bussen gefahren und 3 Mal wurde mein Koffer aufgebrochen. Beim dritten Mal habe ich das Schloss einfach offen gelassen. Die ruinieren noch meinen Koffer… Zum Glück wurden wir vor der ersten Fahrt von dt. Mitreisenden gewarnt und konnten noch schnell unser Geld aus dem Koffer nehmen. Wenn man sich dessen bewusst ist, sind diese Busse wirklich praktisch, günstig und komfortabel. Fast alle Organisationen verkaufen Tickets für die gleichen Busse.

Die angebotenen Touren in Thailand halten, was sie versprechen. Wir haben 2 Touren mitgemacht: eine Wanderung mit Übernachtung durch den Dschungel in Chiang Mai und eine Schnochel-Bootstour auf Koh Chang. Beide waren ihr Geld voll wert und haben sehr viel Spaß gemacht. Bei der Dschungelwanderung sind wir wirklich durch unverfälschtes Gelände gelaufen, haben wie Tarzan an Lianen gehangen, uns mit einer Machete den Weg durch Bananenwälder gebahnt, im Wasserfall gebadet und auf der natürlichen Rutsche im Fels unseren Spaß gehabt, wir haben über offenem Feuer gekocht, in Bambushäusern geschlafen, ich habe das erste Mal Glühwürmchen gesehen, wir ritten auf Elefanten und alles schien so, als wäre es nur für uns gemacht worden. Kein Massentourismus, keine aufdringlichen Verkäufer, nichts. Genauso, wie ich es liebe.

Auf Koh Chang sind wir dann schnorcheln gegangen und ich habe endlich meine thailändischen Traumstrände bekommen :D. Es war schöner als man es sich vorstellen kann, einfach traumhaft. Ich wollte gar nicht mehr aufs Schiff, sondern lieber auf der Yacht daneben relaxen… achja, wenn man später mal Geld haben sollte. Beim Schnorcheln wurde ich von einem Seeigel gestochen, der seinen Stachel Zentimeter weit in meinen Zeh trieb. Nach 2 Tagen tat es schon nicht mehr weh. Der zweite Tag auf Koh Chang war so typisch für die Tropen: Regen, Regen und Sturzbäche. Wir hatten Glück, dass wir die Tour schon gestern gemacht haben. Für den regnerischen Tag liehen wir uns Motorräder und erkundeten die hügelige Küste. Es regnete immer wieder und gegen Abend konnten wir uns nur durch einen Stopp im Restaurant vor der Sintflut retten.

Ja, und dann war auch schon der letzte Tag auf der Insel. Die Rückfahrt verlief ohne Probleme (abgesehen davon, dass das Gepäck wieder aufgemacht wurde). In Bangkok angekommen nahte der Abschied von Maki. Ich traf mich schon früh mit Jonathan (einem KW aus Bangkok) und Patrick, um gemeinsam zu den Wohnungen der anderen Freiwilligen zu fahren, wo Patrick und ich eine Nacht übernachten durften. Patrick erzählte auf der Fahrt viel von seiner Reise in Vietnam und Kambodscha. Und am nächsten Tag, stieg ich in den Fliege nach Saigon, zu meiner Familie.

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„ortszeit“ Ausstellung

Das Goethe-Institut liess mal von sich hoeren und schickte mir einige Poster der „ortszeit“-Ausstellung von Stefan Koppelkamp. Das waren Fotografien von Gebaeudefassaden vor und nach der Wende, aufgenommen in Ost-Berlin. Es waren einige echt schoene Fotos dabei.

Da Joao am Abreisetag noch nichts vorhatte, spannte ich ihn fuer’s Poster aufhaengen ein. Wir haengten die Poster einfach im Eingangsbereich der Schule auf und benutzten gutes deutsches Tesafilm. Nach 2 Stunden war die Sache fertig. Die Poster kamen gut an. Viele blieben interessiert stehen. Aber wir hatten nicht mit dem naechtlichen Regen gerechnet. Am naechsten Tag fehlte ueber die haelfte der Poster. Ich hatte schon befuerchtet, dass sie den Schuelern zu gut gefielen und einige sich womoeglich dazu entschieden, sie im eigenen Zimmer aufzughaengen, aber die Sorge war unbegruendet. Einige engagierte Schueler hatten die herunterfallenden Poster in Sicherheit gebracht bevor sie der Regen zerstoeren konnte. Ich war erleichtert. In Deutschland waere ich davon ausgegangen, sie waeren geklaut worden. 🙂

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Ein Trip auf den Berg, Besuch und mein Geburtstag

13. – 15. Juni 2011

Es beginnt damit, dass ich unbedingt nochmal einen Berg besteigen wollte, denn der einzige, auf dem ich war, hatte nur fürchterliches Wetter zu bieten und keine Aussicht (siehe Huangshan). Ich schwankte noch zwischen einem zweiten Besuch des Huangshans oder dem Taishan. Letzendlich habe ich mich für den Taishan entschieden, weil er 1. näher an Qingdao ist und 2. Maki mitkommen würde. Der Taishan ist der heiligste taoistische Berg in China und zieht viele Pilger an. Er liegt 5 Stunden von Qingdao entfernt und eignet sich gut für einen Kurztrip. Da Maki nur Montag bis Mittwoch frei bekam, blieb mir nichts anderes übrig als nach einer Woche Hongkong und einem Wochenende Unterricht am darauf folgenden Montag gleich nochmal eine Runde Bergsteigen dranzuhängen. Aber man ist ja noch jung und belastbar. Bevor es zum Berg ging ließen Maki, Bella und ich uns noch traditionelle chinesische Kleider namens Qipao schneidern. Den Stoff auszuwählen dauerte wie erwartet ewig. Schließlich entschied ich mich für einen dunkelblauen Stoff mit goldenen Kirschblüten. Für 180 RMB (18€) ein Schnäppchen.

Das Hostel in Tai’an zu finden, war etwas komplizierter als gedacht, aber durchfragen hiflt immer. Es liegt wunderschön in dem alten Verwaltungsgebiet der Stadt und dank Klimaanlage und sehr guten Duschen, lies sich die Hitze aushalten. Es war wärmer als in Qingdao, was für das Bergsteigen nicht unbedingt gut ist. Am nächsten Morgen machten wir uns vergleichsweise spät auf den Weg. Keiner schien so richtig Lust auf Treppensteigen zu haben, deshalb entschieden wir uns für die komfortable Methode und nahmen einen Bus bis auf die Hälfte des Berges und liefen den Rest zu Fuß. Das ersparte uns 2 Stunden Schweißtreibendes Treppensteigen und wir waren in etwa 2 1/2 Stunden oben. die Sicht war mäßig. Es lag etwas Nebel, aber bei Weitem nicht so schlimm wie beim Huangshan. Mich hat der Berg nicht so sehr beeindruckt. Natürlich war die Aussicht schön, aber irgendwie ist Berg gleich Berg und letztendlich auch nur ein Berg. Was ich nicht wusste, war, dass der Taishan auf dem 5-Yuan-Schein hinten abgebildet ist. Somit habe ich jetzt alle Orte auf den Geldscheinen besucht, außer dem 10- und dem 50-Yuan-Schein. Auf dem 10-Yuan-Schein sind wahrscheinlich die 3 Schluchten abgebildet, wobei ich mir aber nicht sicher bin, und auf dem 50-Yuan-Schein ist der Potala-Palast in Lhasa drauf. Auf dem Rückweg waren wir noch fauler und nahmen erst die Seilbahn auf die Hälfte und dann den Bus für den Rest der Strecke. Den Abend ließen wir im Hostel ausklingen und machten uns am folgenden Tag zurück nach Qingdao, wo ich schon erwartet wurde.

15. – 22. Juni 2011

Es hatte sich Besuch aus der Mongolei und Guangzhou angekündigt. Freddi kam wetterbedingt erst Mittwoch morgen an, Joao sollte erst am Sonntag dazustoßen. Die Kommunikation war etwas schwierig, weil ich Freddi nicht auf dem Handy erreichen konnte. Als ich bis zum Abend immer noch nichts von ihm gehört habe, entschied ich mich einfach ins Hostel zu gehen und dort zu suchen. Und siehe da, er saß am PC. Nach einem kurzen Abstecher auf die Dachterasse, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Später stellte ich ihm noch das Qingdaoer Nachtleben vor. Es wurde netter Abend. Für den Donnerstag hatte ich einen Ausflug auf den Fushan mit Tim geplant. Tim ist ein Amerikaner, den ich über Bella kennengelernt habe, der in Qingdao unterrichtet. Der Fushan in Qingdao ist nicht hoch, aber besser als alle chinesischen Berge, die ich bisher gesehen habe. Er war kein touristisches Ziel, deshalb gab es vorwiegend Trampelpfade statt Treppenstufen – ein richtiger Berg eben. Außer uns waren nur vereinzelt Leute dort und man genoss ungewohnte Einsamkeit. Richtig schön :). Tim führte uns auch in einen der vielen Tunnel dort, die noch von der Kriegszeit stammen. Der Einstieg war so niedrig, dass man quasi hinein kriechen musste und zur Begrüßung lag da gleich ein Wurm vor der Tür… Innen wurde es etwas besser, da man stehen konnte. Trotzdem nicht gerade vertrauenserweckend. Es war stockduster und nur unsere Taschenlampen erleuchteten den Weg. Wir kamen an einigen verlassenen Räumen vorbei. Ich war froh als wieder Tageslicht in Sicht war; war aber eine coole Erfahrung. Der English Corner am selben Tag war auch besser als gewöhnlich. Ich kam mit vielen netten Leuten ins Gespräch. U.a. versuchte man mir zu erklären, was für einen Eindruck mein chinesischer Name hinterlässt.

Am Wochenende war wieder unterrichten angesagt und Freddi schickte ich für die Zeit nach Qufu, wo er zusammen mit Joao sich ein bisschen mit Konfuzius auseinandersetzten konnte. Sonntag kamen beide zurück nach Qingdao, um mit mir meinen Geburtstag zu feiern. Ich bat einen Freund von mir um Hilfe bei der Organisation eines BBQs am Meer. Wir waren zwar am Meer, aber leider auf einer Straße statt am Strand. Aber so war es auch gut. Ich lud etwa 15 Leute ein und es wurde ein echt schöner Abend inklusive Ständchen, Champagner und Blumenstrauß. Ich habe mich sehr gefreut. Ein Dankeschön an alle Beteiligten =). Als wir gegen Mitternacht mit Grillen fertig waren, ging es weiter zum Karaoke. Wir sangen viel und lange. Genauer gesagt, kam irgendwann ein Kellner zu uns und meinte wir sollen demnächst aufhören, da sie schließen würden. Wir wurden quasi rausgeschmissen :D.

Montag und Dienstag gab ich den Tour-Guide und zeigte den beiden Jungs meine Stadt. Die Stadtführung war zum Glück sehr entspannt. Wir liefen zu einer Sehenswürdigkeit und haben uns erstmal eine Weile hingesetzt und gequatscht. Dann ging es weiter. Und immer Richtung Dairy Queen in der Stadtmitte, weil Freddi unbedingt ein Eis haben wollte ;).

 

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Chinas Big Apple

Trolley packen – zum Flughafen – in den Flieger steigen – 3 Stunden Essen und am PC schreiben – in Shenzhen ankommen

Das nenn ich mal komfortables Reisen. Auf Hartsitz hatte ich echt keine Lust mehr, stattdessen haben Maki und ich uns einen günstigen Flug bis an die Grenzstadt Shenzhen gekauft und sind von dort aus dann mit einem Shuttlebus nach Hongkong reingefahren. Das ist wesentlich günstiger als wenn man direkt nach Hongkong reinfliegen würde, da Hongkong ja schon als Ausland zählt. Vorfreude machte sich breit.

Wir mussten etwa 2 mal den Bus wechseln und jedes Mal das Gepäck wieder rausnehmen und nach den Grenzkontrollen wieder in den nächsten Bus schaffen. Vom Shenzhener Flughafen zu der chinesischen Grenzkontrolle, wo wir den Ausreisestempel bekamen, dann in den nächsten Bus von der chin. Grenze zur Hongkonger, dort wieder raus aus dem Bus zum Anstellen für den Hongkonger Einreisestempel und zum Schluss mit dem Bus von der Hongkonger Grenze rein ins Stadtgebiet. Wenige Ausländer passierten die Grenze, der Anteil der Chinesen war größer und deshalb waren wir schnell durch. Im Stadtzentrum angekommen war ich erstmal überwältigt. Riesige Wolkenkratzer türmten sich neben mir auf, Leuchtreklamen wohin man schaute, die Luftfeuchtigkeit, die viel zu hoch war, und das Gefühl, dass in Hongkong solange Tag ist, bis die Geschäfte um Mitternacht zu machen. Die Menschen schlenderten auf der Straße umher, es gab Ampeln, der Linksverkehr war zunächst ungewohnt, und die Stadt haut dich einfach um!

Nach langer Suche nach einem Geldautomaten, fanden wir einen in einer Metrostation. Wir hatten nämlich keine HKD umgetauscht und hoben so zunächst etwas Geld ab. Dann mit der super ausgelegten Metro zu unserem Hostel, das im wunderschönen Chungking Mansion in Tsim Sha Tsui liegt, der Touristengegend schlechthin. Im Chungking Mansion gibt es die billigsten Hostel in ganz Hongkong und der Laden ist vollgestopft mit Indern, Arabern und Afrikanern. Ich war vorgewarnt, deshalb saß der Schock nicht ganz so tief. Es gab auch Sicherheitspersonal dort, was nichts heißen soll. Unser Hostel nannte sich Ashoka Hostel und ich würde jedem davon abraten dort zu nächtigen. Es ist überhaupt nicht sicher. Eigentlich ist das ganze Chungking Mansion zwielichtig, aber ok, wenn man auf seine Wertsachen aufpasst. Schon am zweiten Abend passierte es: Wir kamen um etwa 19 Uhr zurück vom Tagesausflug und wollten unsere Sachen ablegen, um noch shoppen zu gehen. Die funktionsuntüchtigen, chinesischen Handys deponierten wir auch  im Zimmer und schlossen alles ab. Als wir dann um 2 Uhr zurückkamen, waren die Handys weg! Geklaut. Die Tür war abgeschlossen, was hieß, der Dieb hatte Zugang zum Zimmerschlüssel. Die Fenster waren vergittert, weshalb da wohl keiner durchgekommen sein konnte. Ich habe erstmal bei dem Rezeptionisten Terror gemacht. Der Typ meinte nur, dass sein Chef morgen vorbeikommen würde und wir dann weitersehen werden. Ganz toll! Ich verlor mein deutsches und mein chinesisches Handy, Maki ihr teures japanisches Handy. Ich war drauf und dran, dem Chef morgen zu sagen, dass wir das Hostel wechseln und unser Geld wiederhaben wollten. Dieser bot aber von sich aus an, uns eine Entschädigung in Höhe von 3000 HKD zu zahlen. Zusammen viel zu wenig. Wir forderten 4000 HKD, was etwa 320 € entsprach. Nach langen Verhandlungen (da war ich froh, dass ich das Handeln in China gelernt hatte) einigten wir uns auf 3700 HKD (296 €) – ein Erfolg für uns. Geteilt bekam jeder von uns gute 150 €, was nicht schlecht ist. Mein Verlust an Bargeld und Handys wurde nicht komplett gedeckt, aber annähernd. Mit dem Geld kaufte ich mir am nächsten Tag ein neues, besseres Handy, das auch Wifi empfangen konnte ^^.

Hongkong ist mehr als nur eine Stadt – es ist eine Weltstadt. Hongkong ist riesig und wirkt auf mich wie New York. Leider war ich noch nie in den Staaten, aber so stelle ich mir New York vor. Eine Stadt, die nie schläft und auch noch nachts so hell beleuchtet ist wie am Tage. Straßen und Gassen, die vor Leuchtreklameschildern nur so wimmeln und alles dicht an dicht. Platzmangel herrscht dort. Jedenfalls im Stadtgebiet, wo Hochhaus an Hochhaus lehnt, man über dem Klo duschen muss und das Zimmer gerade mal groß genug für ein paar Betten ist. Die Menschen sind zivillisierter dort. Es spuckt keiner auf die Straßen und meistens wird auf die Ampeln geachtet. Das Modebewusstsein ist vorhanden. Die Menschen sind alle stilvoll gekleidet, das sieht man in China nur selten. Man merkt deutlich, dass die Engländer hier früher das Sagen hatten. Der Linksverkehr war anfangs gewöhnungsbedürftig, aber übergroße, gelbe “ <-Look left!“ -Hinweise auf der Fahrbahn helfen ahnungslosen Touristen nicht vom Auto überfahren zu werden. Allgemein machen Autos hier nicht Jagd auf Menschen, wie in China üblich, was unter anderem auch daran liegt, dass Fußgänger und Kraftfahrzeug sich nicht die Fahrbahn teilen müssen. Das Essen in Hongkong ist viel teurer als in China. Für unter 20 HKD (20Yuan=2€) bekommt man selten etwas. Meistens aßen wir für zwischen 30 und 50 HKD. Einmal sind wir richtig schick essen gegangen und haben für 100 HKD pro Person unter Kronleuchtern und mit Blick auf den Victoria Harbour die köstlichen Dim Sum probiert. Im Restaurant waren Maki und ich die wohl jüngsten Gäste, denn der Altersdurchschnitt lag bei etwa 40 Jahren…

Dim Sum sind gedämfte Teigwaren, manche gefüllt mit Krebsen, Gemüse oder Fleisch. Sie werden in kleinen Bambuskörbchen serviert, die auf Wagen durch das Lokal gefahren werden. Will man etwas bestellen, hält man einen der Wagen an und nimmt sich etwas runter. Dann bekommt man einen Stempel auf den Beleg, der anzeigt, wieviel das Körbchen kostet. Hat man fertig gegessen, geht man mit dem Beleg zum Ausgang und bezahlt.

Wie gesagt besteht Hongkong nicht nur aus den Distrikten Sheung Wan, Central, Admirality, Wan Chai, Causeway Bay und Kowloon, die zusammen das Stadtgebiet bilden, sondern auch aus Tausend kleiner Inseln, die Natur pur bieten. In den New Territories Richtung chinesischer Grenze gibt es sogar Feuchtbiotope und Naturschutzreservate. Zu den beiden größten Inseln gehören Lantau und Lamma Island. Auf Lantau Island steht bzw. sitzt der größte sitzende Bronzebuddha der Welt und die Insel hat den längsten Strand Hongkongs. Es gab noch das Fischerdorf TaiO, aber da fuhr leider kein Bus mehr hin. Maki und ich haben uns nur die Buddhastatue angeschaut und sind dann zurück gefahren. Mit der Fähre dauerte es nur eine halbe Stunde zurück ins Großstadtgewimmel. Die zweite Insel Lamma ist noch schöner als Lantau. Auf Lamma Island kam ich mir vor wie im Mittelmeer. Die Autofreie Insel verfügt über viele Wanderwege und schöne Strände und Häfen mit kleinen Fischebooten. Leider waren die Strände nicht wirklich sauber, was uns trotzdem nicht von einem Bad darin abhielt. Lamma Island ist wirklich zu empfehlen! Es ist eine andere Welt und nur 20 min entfernt.

Wir sind jeden Abend so bis Mitternacht oder später noch auf der Straße rumgelaufen, weil es noch so viel zu entdecken gab und die Geschäfte teilweise erst sehr spät zugemacht haben. Am letzten Abend haben wir noch nach einer Bar Ausschau gehalten und auf dem Dach der ifc-Mall eine wunderschöne Skyline bestaunen können, die mindestens so beeindruckend war, wie die auf dem Victoria Peak. Preise waren leider zu teuer, weshalb wir zurück nach Kowloon gefahren sind. Auf dem Weg zu einer im LonelyPlanet beschrieben Bar kamen wir an einem Schild vorbei, das besagte, dass heute Abend in jenem Club Ladies Night war… Zwei Frauen, ein Gedanke und nichts wie rein da!

Einen Tag lang fuhren wir auch nach Macau, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie. Das liegt nur eine Stunde von Hongkong entfernt und ist bekannt für seine europäische Architektur und die vielen teuren Hotels und Casinos. Und tatsächlich erinnert vieles an die Mittelmeerländer. Kleine Gassen, Straßencafés und Kopfsteinpflaster. Das Macau Museum ist einen Besuch wert und wirklich gut gemacht. Wir flüchteten dorthin vor der heißen Mittagssonne. Vom Dach des Museums hat man wirklich einen guten Blick auf die Stadt. Macau ist ein sehr teueres Pflaster, teurer als Hongkong. Man sieht größtenteils Touristen mit Gucci-Handtasche und Polohemden auf den Straßen, die in einem der superteuren Luxushotels wohnen und ihr Geld bei Glücksspielen aus dem Fenster schmeißen. Wir haben 2 der Casinos besucht, das im Grand Lisboa und das im The Venetian, welches eine exakte Kopie des Originals in Las Vegas ist. Casinos sind schon faszinierend. Lokale Spezialitäten wie Mandelkeckse und süßes Fleisch haben wir auf der straße probiert. Man bekommt die Sachen quasi hinterher geworfen und darf beim Probieren ruhig satt werden.

Hongkong und Macau verbleiben noch etwa 40 weitere Jahre in ihrem jetztigen politischen Sonderzustand, der ihnen weitgehende Autonomie zusichert. Was die Chinesen danach mit diesen beiden Städten anstellen, weiß man noch nicht. Wenn man die Chance hat, sollte man beide unbedingt mal besuchen, bevor China wieder das Sagen hat.

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I♥QD

…oder warum es zu Hause doch am Schönsten ist.

Ich wollte nicht wie viele andere Blogschreiber sein. Ich wollte kontinuierlich von meinen Erlebnissen in Fernost berichten, am besten wöchentlich. Aber ich habe es nicht geschafft, habe elendig versagt…;-). Meinen letzten Blogeintrag habe ich vor kurzem fertig gestellt, aber er handelt noch von meiner Reise im Februar, die jetzt schon fast 4 Monate zurückliegt.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Zu viel. Alltag kehrte ein. Ich weiß, ich bin schon über ein halbes Jahr hier, da hätte schon früher Alltag einkehren sollen, aber in ersten halben Jahr bin ich viel gereist. Sehr viel. Vielleicht zu viel. Nach der großen Reise in den Frühlingsfestferien habe ich mich nach einem Alltag gesehnt, nach Struktur und geregeltem Tagesablauf zu Hause bei mir in Qingdao. Nicht wieder durch halb China Zug fahren, keine Hostels, Tempel und Touristenmassen mehr. Von all dem hatte ich (vorerst) genug. Und der gewünschte Alltag kam tatsächlich. Im März fand ich das Aktivitätszentrum in Chengyang, einem Außenbezirk Qingdaos. Dort gehe ich seit dem jedes Wochenende hin und mache bei einem Kulturaustauschprogramm mit. Ich organisiere Einheiten und spiele mit den Kindern. Macht alles viel Spaß. Das einzige, was mich stört, ist, dass ich jeden Samstag und Sonntag um 5.30 Uhr aufstehen muss, um rechtzeitig für den Bus um 6.20 Uhr fertig zu sein. Und dass ich mit Freunden am Wochenende nicht weggehen kann. Wie gut, dass viele unter der Woche auch Zeit haben. Das Programm in Chengyang, die dt. Ecke und die Deutschstunde sind meine einzigen festen Bausteine im Wochenplan. Der Rest ist frei planbar. Und ich habe erstaunlich viel zu tun.

In den letzten Monaten hat sich mein Freundeskreis stark erweitert. Durch Freunde habe ich wiederum neue Freunde kennen gelernt und deshalb eigentlich immer irgendwas zu tun. Sei es nur shoppen oder Essen gehen. Es findet sich immer was. Chinesisch lerne ich immer noch fleißig weiter. Beim English Corner habe ich einen netten Chinesen kennen gelernt, der bereit ist, Maki und mich zu unterrichten. In China ist man auch sehr mit Essen beschäftigt. Letztens haben Maki und ich ein vietnamesisches Restaurant getestet. Die Tage davor ein japanisches und koreanisches, und Sushi natürlich. Was in Deutschland meinen Geldbeutel sprengt, kann man in Qingdao für nur 7 € nach Belieben essen inkl. Getränke, Gegrilltem und etwas Salat. Kein Wunder, dass die Waage schon mehr anzeigt als sein sollte. Allgemein bin ich jetzt viel großzügiger geworden was Geld angeht. Ich gehe nicht mehr nur für einen Euro essen (weil ich schon alles durchprobiert habe), sondern bin auch bereit mal 2-3 € für ein gutes Essen zu lassen, oder eben 7 € für All-you-can-eat-Sushi. Wenn es mal besonders schnell gehen muss, geht’s mit dem Taxi durch den Verkehr. Auf Hartsitz in Zug habe ich im Moment gar keine Lust, weshalb die Distanzen nach Hongkong und Thailand mit dem Flugzeug überwunden werden. Das spart Zeit und Nerven; nur leider kein Geld, aber was soll’s.

Vor einigen Monaten habe ich mich noch wöchentlich mit Wang Qing, einer Germanistik-Studentin, zum Kochen getroffen. Ich will chinesisch Kochen lernen. Wir haben Kung Pao Hühnerwürfel, Tomaten-Rührei, Salate und 鱼 ührei, Salate, udn l, Tomaen ch noch wöchentlich mit Wang Qing, einer Germanistik-Studentin, zum Kochen getroffen. schon alles einiges anderes ausprobiert. Erdbeer- und Kirschplantagen sind auch nicht weit.

In der Schule ist momentan auch mehr los. Das Goethe-Institut hat Poster geschickt, mit denen wir eine Ausstellung organisieren sollen an der Schule. Ich habe meine Schüler damit beauftragt, Infoplakate zu Ostdeutschland und der Ausstellung zu machen. Wenn diese fertig sind, sollen die Poster im Gang aufgehängt werden – so weit der Plan. Vor kurzem lief eine Spendenaktion, bei der wir Waffeln gebacken und verkauft haben. Das gesammelte Geld soll sozial benachteiligten Kindern zu Gute kommen, die mangels Geld in eine schlecht ausgestattete Grundschule gehen. Chinesische Was-ist-was?-Bücher wurden dafür gekauft. Die Aktion war ein voller Erfolg. Wir kamen mit dem Backen kaum hinterher und die dt. Waffeln gefielen. Schon vor dem Verkaufsstart sammelte sich eine Traube an Schülern um unseren Stand. Begleitet wurde das Ganze mit Tanz- und Gesangseinlagen, muss ja was hermachen. Das schuleigene Fernsehteam interviewte Organisatoren. Meine Schule besitzt jetzt auch eine kleine Deutsch-Bibliothek mit vielen Büchern zum Schmökern und Deutsch lernen.

Vom 26.-29. Mai kam spontan Patrick zu Besuch. Ich hab mich gefreut und ihm ein Best-of Qingdao gezeigt, inkl. Nachtleben und Karaoke. Den Tag danach hat er ein Best-of Hostel bekommen, was heißen soll, dass er fast den ganzen Tag drinnen blieb. Dank WiFi, Dachterasse und Sonnenschein auch eine sehr schöne Art Qingdao zu genießen. Demnächst kommen auch noch Freddi und Joao zu Besuch =).

Soviel zu den Veränderungen in den letzten Monaten hier. Der nächste Blogeintrag wartet auch schon: Ich bin nämlich gerade aus Hongkong zurück gekommen!

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Sommer auf Hainan

Letzter Teil der langen Reise durch den Süden.

Ich kann mich schon gar nicht mehr so richtig an die Details erinnern…

15. – 18. Februar 2011 – Sanya

Wir flogen von Guangzhou aus mit dem Flieger nach Sanya, einer Stadt am südlichen Zipfel der Provinz. Den Flug hatten wir noch in Yangshuo gebucht. Allgemein waren wir ungewöhnlich planlos und schlecht informiert für diesen letzten Teil der Reise. Erst haben wir uns von einem Freund, Julius, Zugfahrkarten nach Sanya organisieren lassen, um dann rauszufinden, dass ein Flug genauso viel wie eine ewig dauernde Zugfahrt kostet. Da gerade Frühlingsfest war, war das zurückgeben der Karten auch eine nervenaufreibende Sache. Gewöhnlich kann man bis vor Abfahrt des Zuges die Tickets zurückgeben und erhält 90% des Preises erstattet. Da jetzt ums Fest herum aber ganz China auf den Beinen ist und man versucht, die Massenetwas zu lenken, ist eine Rückgabe nur bis 6 Stunden vor Abfahrt möglich und es werden nur 80% erstatter… Unser Zug aus Guilin kam schon sehr früh in Guangzhou an, aber nur etwa 7 stunden vor Abfahrt des Sanya-Zuges. Heißt, die Rückgabe könnte sich als schwierig rausstellen, denn Julius wohnt etwas außerhalb und hat unsere Karten. Er kam zum Glück noch rechtzeitig am Bahnhof an, sodass wir unsere Karten noch zurückgeben konnten. Aber die Zeit schien unglaublich langsam zu vergehen, als wir auf ihn warteten. Ich kaufte mir noch ein Rückfahrtticket nach Qingdao und Annika sich eins zurück nach Wuhan. Wir fuhren zu Julius Schule, luden unsere Sachen ab und ich machte mich auf, Chucks zu kaufen. Ich brauchte leichte, flache Schuhe für den warmen Süden.

Viel zu spät machten wir uns zum Flughafen auf. Der Bus kam ewig nicht, also entschieden wir uns ein Taxi zur Metrostation zu nehmen. Kurz von Annika und Julius verabschiedet, sausten wir zur Metro und beteten noch rechtzeitig zum Check-in am Flughafen anzukommen. Wir rannten was das Zeug hielt, erreichten den Schalter, um zu sehen, dass unser Flug eine halbe Stunde Verspätung hatte. Wenigstens haben wir den Flug nicht verpasst und nicht noch mehr Geld aus dem Fenster geschmissen. Wir kamen abends in Sanya an. Warme Luft und Urlauber in Hawaii-Hemden begrüßten uns. Ein Taxi in die Unterkunft und ab ins Bett.

Unsere Zeit in Sanya bestand darin, verschiedene Strände zu besuchen, leckeres Früchteeis zu essen, mit dem Motoroller die Straßen unsicher zu machen und einen Abend lang auch mal Plätzchen zu backen. Denn unser tolles Hostel hatte einen Backofen!!! Diese Gelegenheit ließen wir uns nicht entgehen und beglückten nicht nur die Hostelgäste mit unseren Backkünsten. Allgemein ließen Friederike und ich kaum eine Gelegenheit aus, um Spaß zu haben. Das Wetter war die Tage nicht so gut. Es war zwar schwül warm, aber bedeckt. Nur am letzten Tag, an dem wir mit einem Österreicher und einer Chinesin zur Clear Water Bay gefahren sind, ließ sich die Sonne für 4 Stunden blicken. Das war der einzige Tag, an dem wir im Meer baden waren. Es war großartig!

Die erste Nacht in Sanya durften wir im besten Zimmer des Hostels verbringen, weil das Dorm noch voll besetzt war. Wir hatten einen Fernseher und einen Whirlpool. Leider kam aus dem Hahn nur kaltes Wasser raus und wer will schon ein Kaltwasserwhirlpool? Was man machen kann, um diese einmalige Gelegenheit doch zu nutzen? Man kaufe viele Früchte, Wein und kocht eine Stunde lang Wasser mit Hilfe von 4 Wasserkochern auf et voilà… fertig ist der Wellnessabend.

Was nur ein wenig auf die Stimmung geschlagen hat, war unser Rückfahrtticket. Wir mussten schon früh morgens den Bus nach Guangzhou nehmen, weil alle späteren schon ausbegucht waren, somit war der letzte Tag verschwendet.

In Guangzhou verabschiedete ich mich wehmütig von Friederike, der besten Reisepartnerin und Freundin, die ich aber leider viel zu spät kennenlernte. Friederike flog schon bald zurück nach Deutschland, da sie nur ein halbes Jahr in China blieb. Den Abend in Guangzhou verbrachte ich damit, den großen Turm, der zu den Asien Games gebaut wurde, zu besichtigen und später abends noch mit Julius und seinen Freunden in eine Bar zu gehen. Ich durfte in der Wohnung von Julius‘ Deutschlehrerin übernachten. Am nächsten Tag nahm ich mittags den 30-Std.-Zug zurück nach Qingdao. Nach dieses langen Reise war ich echt froh wieder nach Hause zurückkehren zu können. Da passte die Werbung im Zug auch sehr gut …回家是最好的礼物, nach Hause zu kommen ist das beste Geschenk, obwohl die Temperaturen in Qingdao um 10°C doch viel niedrieger waren als auf Hainan und in Guangzhou.

Fazit: Sehr schöne Reise mit vielen Highlights, besonders in Yunnan, und großartigen Erlebnissen. Viele Leute warnen davor, während des chin. Frühlingsfestes zu reisen, aber ich empfand es als nicht besonders anstrengend oder nervenaufreibend. Direkt in der Frühlingsfestwoche bin ich nicht gereist, aber gerade dann sollte es einfach sein Tickets zu bekommen, weil alle schon bei ihren Familien sein sollten und nicht mehr unterwegs. Die Wochen vor dem Fest waren ok. Wenn man sich früh genug um Tickets kümmert, sprich mindestens 3-4 Tage vorher, oder am besten sofort, wenn es möglich ist, dann bekommt man auf den meisten Strecken Karten. Es hängt auch immer davon ab woher man kommt und wohin man will. Strecken nach Shanghai und Beijing sind fast immer ausgebucht und es ist schwer Tickets zu bekommen, während die Strecke von Chengdu nach Kunming nicht so beliebt war. Busse sind einfacher zu bekommen, wobei wir auch da kein Risiko eingegangen sind und sofort nach Ankunft das Rückfahrtticket kauften. Was etwas nervt, sind die Hostelpreise, die während des Festes nach oben schnellen können, genauso wie einige Eintritte und sonstigen Preise. Reisen während des Festes kann also teurer als gewöhnlich sein, was sich aber nur auf die konkrete Festwoche bezieht. Wir haben jedenfalls alle Zug- und Busverbindungen bekommen, die wir haben wollten, außer den Bus von Sanya nach Guangzhou, aber das ist nun mal Pech… so kann’s sein, wenn ein Kontinent unterwegs ist.


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Radfahren in Yangshuo

Ich fuhr zunächst nach Guilin, einem der beliebtesten Reiseziele in China. Da die Stadt aber echt hässlich ist und das schwüle Wetter einen sehr träge macht, war der kurze Aufenthalt von nur einer Nacht mehr als ausreichend.

Ich hatte schon nach 3 Stunden genug von dieser Stadt, aber das Hostel war gebucht und am nächsten Morgen würden Annika und Rieke ankommen. Also vertrieb ich mir mit Felix und Jingyi die Zeit mit ziellosem Umherschlendern und den Besuch zweier Berge. Die Spezialität des Bierfisches war mir zu teuer.

Freudig sah ich dem nächsten Morgen entgegen und schon um 7 Uhr ging es endlich weiter nach Yangshuo. Das liegt nur eine Stunde weg von Guilin und wird allgemein auch zu Guilin gerechnet. Deshalb bezieht sich die überirdische Schönheit Guilins meist auf Yangshuo. Und das hielt, was es versprach.

Zwar war das Wetter sehr bewölkt, aber nicht kalt. Wir hatten ein super Hostel, mitten in der Hauptfußgängerzone, sehr günstig und eine geile Dachterrasse! Falls es jemanden interessiert, es hieß Hostel 11. Die Inhaber waren super freundlich, fast schon zu freundlich. Wir waren anfangs etwas überfordert von so viel Freundlichkeit, das ist man in China gar nicht mehr gewohnt ^^. Tagsüber machten wir Radausflüge zu verschiedenen Bergen und Brücken, wie den Mondberg und die Drachenbrücke.  Der Mondberg ist ein Berg mit einem Loch drin, ganz platt gesagt und „Drachenbrücke“ hört sich auch spannender an als es eigentlich ist. Wetter war meist ok, nur beim Ausflug zur Drachenbrücke hat es unentwegt geregnet. Hoch leben die Regenmäntel, die wir noch gekauft haben! Den Ort des 20-Yuan-Scheines wollten wir uns auch nicht entgehen lassen. Also fuhren wir mit dem Bus nach Xiping und machten flussabwärts eine kleine Bambusfloßtour. Wobei unser Bambusfloß aus Plastik war und mit einem Motor angetrieben wurde… Es regnete wieder und diesmal war es auch recht kalt. Trotzdem war ich froh, dass wir ein Stück mit dem Boot gefahren sind, weil alles zu Fuß zurück zu laufen, wär doch echt weit gewesen. Der Regen trübte die Landschaft etwas und die Fotos wurden nicht so schön, wie eigentlich möglich gewesen wäre. Wir ließen uns auf halben Weg absetzen und liefen den Rest zu Fuß, jedenfalls war das so geplant. Ich hatte schon bald keine Lust mehr auf’s Wandern. Auf der Hälfte sahen wir einige Rikschafahrer. Eigentlich brauchte ich keine Rikscha, aber spontan kam mir die Idee, dass ich gerne Motorrad fahren möchte und ein Motorrikschafahrer mir das beibringen könnte. Die beiden anderen Mädels waren skeptisch. Rieke lies sich schnell dazu überreden ebenfalls einen Motorradcrashkurs zu nehmen und so luden wir Annika hinten auf und teilten die Fahrtkosten durch zwei. Das hat einen heiden Spaß gemacht und die Leute staunten nicht schlecht, als Touristen am Steuer saßen.

Unser Rikschafahrer war auch ein voll korrekter Typ. Hat geduldig alles mitgemacht und war super nett. So bekamen Rieke und ich jeweils 10 min Fahrunterricht für nur 0,40 € pro Person. Jedoch witterte der Fahrer ein Geschäft und als wir noch ein paar Runden drehen wollten, verlangte er ein Entgeld. Schade. Kurz bevor wir in den Bus steigen wollten, fiel uns auf, dass wir den 20-Yuan-Schein gar nicht gesehen hatten!!! Trotz strömenden Regens ging’s zu Fuß wieder die Straße runter. Gerade als wir loslaufen wollten, fuhr unser Fahrer an uns vorbei und fragte, wo wir denn noch hinwollten. Ich machte ihm Vorwürfe, warum er uns nicht auf den 20-Yuan-Ort aufmerksam gemacht hatte als wir dran vorbei fuhren. Lachend gab er uns zu verstehen, dass wir aufspringen sollten und er uns zusammen mit seinen neuen Gästen hinfahren würde – kostenlos. Sehr nett von ihm. Dort angekommen bot er uns eine Rückfahrt an, wenn wir 30 min auf seine Gäste warten würden. Auch da durften Rieke und ich unsere Fahrkünste ausprobieren. Im Hauptdorf angekommen, ging es mit dem Bus zurück nach Yangshuo.

Allgemein ist Fahrrad fahren eine sehr gute Gelegenheit die Örtlichkeiten in Yangshuo zu besuchen, weil alles nah beieinander liegt und die Landschaft ohnehin viel zu schön ist, dass man sie sich von einem Bus aus ansehen könnte. Die Kalksteingipfel ragen aus dem platten Land raus, denn es ist überhaupt nicht hügelig… perfekt zum Fahrrad fahren eben.

Am letzten Tag machte ich das, was ich schon länger mal machen wollte: Klettern in Yangshuo. Ich liebe ja klettern und mit der Kulisse von Yangshuo ist das noch besser. Rieke und ich kraxelten an einem Kalksteinhügel hoch, die sich mit ihren vielen Vertiefungen und Höhlen perfekt dafür eigneten. Natürlich waren wir nicht allein unterwegs, sondern mit einem Profi, der uns beim klettern absicherte. Die Aktion war sehr spontan, weil wir nicht wussten wie das Wetter wird, wie teuer es ist und ob es möglich ist sehr kurz vorher einen Termin mit dem Veranstalter zu bekommen. Aber alles lief glatt. Das ist auch China ♥.

 

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Frühlingsfest – Rückkehr zu den Wurzeln

Das diesjährige Frühlingsfest war am 3. Februar. Ich bin zuerst nach Shenzhen zu meinen Verwandten gefahren und dann zusammen nach Chaozhou, die Stadt meiner Vorfahren. 

Annika und ich sind am Abend des 1. Februars in heil Guangzhou angekommen. Nach einer tragischen Verabschiedung mit vielen Komplikationen, machte ich mich auf den Weg weiter nach Shenzhen, dass nur 2 Busstunden von Guangzhou entfernt liegt. Ich plante eigentlich den Schnellzug zu nehmen, aber aufgrund des Frühlingsfestes, an dem sowieso alles anders war, gab es abends keine Schnellzüge mehr. Wunderbar. Also fragte ich mich zum Busbahnhof durch und konnte noch ein Ticket für den nächsten Bus bekommen. Ich sagte meiner Tante Bescheid; meinem Handy ging langsam der Saft aus.

Shenzhen ist nicht wirklich hässlich, wie viele behaupten. Es ist einfach nur langweilig. Viele sind zum Arbeiten hier. Eine Stadt, die gerade mal 31 Jahre lang existiert, kann auf keine lange Geschichte zurückblicken und mit ehrfürchtigen Bauten aufwarten. Dennoch ist die Stadt sehr modern, sauber und statt den üblichen Bäumen säumen karibische Palmen die Straßen. Man kann sich die Miniaturausstellung Window of the World anschauen, in der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Welt, wie das Colosseum oder der Eiffelturm, im Maßstab 1:3 errichtet sind.  Wenn man nicht gerade nach Hongkong will, kann man Shenzhen getrost weglassen.

Am nächsten Morgen ging es früh mit dem Auto ins 5-Stunden entfernte Chaozhou. Ich hab mich schon die ganze Zeit auf die Stadt gefreut. Mir geht es weniger um die Stadt als solche, als vielmehr um die Menschen und den besonderen Dialekt Teochew, den sie hier sprechen… meinen Dialekt! Die Begegnungen mit ihm fingen an der Autobahnraststätte statt, aber da waren es noch Freunde meiner Verwandten. Richtig krass war es dann in Chaozhou selbst, in der ja (fast) alle Bewohner ihn sprechen. Eine Mutter meckerte ihr Kind an, sich nicht auf die hohe Balustrade zu setzen… und ich habe alles verstanden. Es war so, als würde meine Mutter mich anmeckern. Heimatgefühle kamen auf. Hier umso mehr als irgendwo anders in China. Ich merkte, ich bin vielerorts „zu Hause“: sprachlich in Chaozhou, äußerlich in China und kulturell in Deutschland. Aber das Teochew der Einwohner hier ist bei weitem besser als meines. Das macht es nicht gerade einfacher. In China bin ich Ausländerin, kulturell sind Deutschland und China einfach zu weit voneinander entfernt. Selbst wenn ich behaupte ich wäre Chinesin, merkt man schnell, dass ich es doch nicht bin. 

Wir besuchten vom Frühstück bis zum Abendessen Freunde und Verwandte. Immer schön lächeln, nett sein. Meine Oma musste jedes Mal erneut meine Geschichte erzählen, aber zum Glück übernahm sie diesen Part für mich. Bei jeder Familie wurden wir zum Essen eingeladen. Am zweiten Tag war diese Besuchstour eine Tortour. Ich langweilte mich zu tode und wollte stattdessen etwas spazieren gehen und den Leuten bei ihrem Smalltalk lauschen. Ich hab mich mit einem Handyverkäufer unterhalten und örtliche Spezialitäten probiert. Am vorletzten Tag kontaktierte ich spontan den Cousin meiner Mutter und stattete der mütterlichen Verwandtschaft auch mal einen Besuch ab.

Obwohl ich sie alle gerade erst kennengelernt habe, waren sie überaus herzlich. Chinesen halt, ein schönes Gefühl.

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Frühling in Yunnan

21. Januar 2011 – Kunming


Kunming wird auch die Stadt des ewigen Frühlings genannt. Zurecht. Als wir am Morgen müde von der 18-Stunden-Hartsitzerfahrt ankamen, durften wir einen beeindruckenden Sonnenaufgang erleben und die milden Temperaturen taten echt gut nach den Minusgraden. Viele Bäume blühten schon und insgesamt machte die Stadt einen sehr guten Eindruck auf mich. Sie war nicht nur geografisch gesehen westlicher. Es gab weniger Wohnhochhäuser und mehr 4-5 stöckige Wohnkomplexe.


Das Hostel war schnell gefunden und hatte nach den Enttäuschungen in Chengdu endlich mal richtig gute, heiße Duschen. Frisch geduscht suchten wir nach Essbarem und schlenderten zu einem im LonelyPlanet angepriesenen alten Kuninger Viertel. Dieses entpuppte sich als zu einem Touristenviertel ausgebautem Randbezirk der Stadt. Es hat mir auf Anhieb nicht gefallen. Überall wird der gleiche Tourikram verkauft und ich wollte eigentlich sofort wieder umkehren, aber man reiste ja nicht allein. Also verbrachte ich die nächsten 2 Stunden damit den anderen hinterher zu laufen und unbedeutende Bilder von noch mehr Tempeln und Pagoden zu machen. Hinter einem der Tempel fand ich tatsächlich etwas, was eher nach altem Kunming aussah: eine örtliche Marktstraße, auf dem allerlei Gemüse feilgeboten wurde, führte in ein abgelegeneres, geschäftiges Viertel, das hauptsächlich von Einheimischen besucht wird.

integrierter "Tempel" im Hochhaus sozialistischen Stils

Nach dem Abstecher an den Rand der Stadt, besuchten wir die West- und Ostpagode der Tang-Dynastie in der Stadt. Vorbei an diesen 2 unspektakulären Wahrzeichen der Stadt wandten wir uns dem Islam zu und besichtigten eine versteckte Moschee hinter einem Kaufhaus mitten in der Haupteinkaufsstraße Kunmings. Das hatte auch was.  Annika brauchte dringend ein neues Handy. Das Gerät haben wir im Außenbezik Kunmings schon gekauft. Für etwa 150 Yuan, wenn ich mich richtig erinnere, bekam sie ein gebrauchtes, weißes, edles, schönes Klapphandy, dass ich am liebsten selbst gekauft hätte… aber meins funktionierte ja noch! Ich half ihr beim Kauf und meisterte die Verhandlungen sowie Qualitätsprüfungen auf Chinesisch. Nun suchten wir nur noch nach einer SIM-Karte. Nach ewigem Warten in einem Geschäft schickte man uns in ein anderes Geschäft, weil sie eine Karte haben wollte, mit der man auch ins Ausland telefonieren kann. Also wieder warten. Als wir endlich dran waren ging alles relativ zügig. Tarif ausgewählt, PIN aufgesucht, bezahlt und fertig. Erst jetzt wusste ich, dass es verschiedene Tarife gab und blickte etwas durch das verwirrende System der SIM-Karten. Denn einfach fragen ging ja auch nicht, den komplizierten Erklärungen kann ich ohnehin nicht folgen. Glücklich über den erfolgreichen Handykauf ließen wir uns in einem nahegelegenen Park nieder und beobachteten krähende Riesenstockenten übers Wasser schwimmen. Die untergehende Sonne rückte die Motive ins rechte Licht und es entstanden einige schöne Fotos.

Für den nächsten Tag hatten wir uns die Westberge vorgenommen. „Wer die Westberge

Eine der beiden Zwillingspagoden in Kunming

nicht gesehen hat, hat Kunming nicht gesehen.“, so ein lokales Sprichwort. Eigentlich waren die gar nicht so spektakulär wie behauptet. Ein große See erstreckt sich südwestlich von Kunming und dessen Westseite ragt ein Gebirgszug in den Himmel. Wir nahmen auf dem Hinweg die Seilbahn über den See und wanderten ein bisschen umher. Ziel war eigentlich das Dachentor, denn „Wer das Drachentor nicht gesehen hat, hat die Westberge nicht gesehen.“ so das Sprichtwort weiter. Ich vermute Geldmacherei hinter all diesen Spichwörtern, denn der Eintritt zum Drachentor war doch recht hoch. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wieviel es genau war, aber wir sind jedenfall nicht reingegangen. Je länger man in China ist, desto weniger lässt man sich von Namen wie Drachentor, Bambustempel und Jadegrüner-See-Park beeindrucken. Es ist doch alles mehr Schein als Sein. Gleich vor dem Eingang zum Drachentor entdeckten wir einen Maler, der Namen für nur 2 Yuan auf künstlerische Weise umsetzt und so einen schönen Schriftzug entstehen lässt. Nicht lange gezögert ließ ich mir meinen chinesischen Namen aufmalen und das Ganze noch einlaminieren. Schließlich musste das noch  unbeschadet nach Qingdao zurück kommen. So erhöhte sich der Preis auf das 6-fache, aber egal. Und wie wir so umherwanderten, stießen wir auf einige Chinesen, die einen Trampelpfad bergauf gingen. Hinterher. Nach einer halben Stunde über Stock und Stein sind wir irgendwo oben auf den Westbergen angekommen. Eine kleine Häuseransammlung begrüßte uns. Und wie so überall in China, musste man nicht lange suchen, um einen kleinen Imbiss zu finden. Nach der leckeren Nudelsuppe suchten wir nach einem Weg runter vom Berg zurück in die Stadt. Man zeigte uns eine Richtung, der wir zunächst folgte. Schnell stellte sich aber heraus, dass diese immer nur bergauf führte. Ein entgegen kommender Autofahrer war so feundlich uns mit nach unten zu nehmen. Auf halben Weg wollte das Pärchen sich einen Tempel anschauen, also bedankten wir uns bei ihnen und liefen den Rest zu Fuß.

22. Januar 2011 – Shilin

Die Stadt Shilin liegt etwa 80 km südöstlich von Kunming und über 30% ihrer Bewohner gehören ethnischen Minderheiten an, hauptsächlich der Yi-Nationalität. Eigentlich kommt niemand wegen der Stadt hierher, sondern nur wegen dem Steinwald, was der Name übersetzt bedeutet. Dieser 350 km² große Nationalpark bietet die dichteste Ansammlung von Kalksteinformationen in China und vielleicht auch auf der Welt. Er wird in 3 Bereiche eingeteilt: Der Große Steinwald, der Kleine Steinwald und der Naigu Steinwald. Es lassen sich mit einer guten Portion Fantasie Tier-, Pflanzen- und auch menschliche Formen entdecken.

Anfangs folgten wir den geteerten Hauptstraßen. Es wirkte wie ein Museum, rechts und links die Austellungsstücke, einzäunt durch einen 10 cm hohen Minizaun. Langweilig. Also nahmen wir die erstbeste Gelegenheit auf einen Trampelpfad oder kleinen gepflasterten Weg zu kommen. Von da an gefiel mir der Steinwald viel besser. Wir blieben meist auf den ausgeschilderten und gepflasterten Wegen, um keine Skulptur zu verpassen, und machten hier und da ein kleines Picknick. Das Wetter war auch spitze und als Patrick gute Musik aufdrehte, war es nicht mehr zu toppen. Perfektes Urlaubsfeeling. Die Karstformationen waren ziemlich interessant. Wir grübelten lange darüber nach, warum fast alle Steine an der gleichen Stelle Furchen und Einbrüche hatten. Ich war ja der Meinung, dass die Steinspitzen abgefallen sind und man sie künstlich wieder aufgebaut hat. Den Chinesen traue ich ja alles zu. Die anderen beiden lachten mich für meien Theorie aus. Zugegeben war sie nicht besonders logisch (wie sollte man die Steine so hoch draufbekommen und das bei Hunderten Spitzen und zwischen vielen Steintürmen, die keinen Platz für Kräne bieten…), aber mir fiel keine bessere ein. Eine Infotafel klärte uns dann auf: In den Kerben befanden sich leicht abzutragendes Material, das in Folge von Wind- und Wassererosion davongetragen wurde und den harten Kalkstein zurückließ. Ah! Hätte man sich denken können… Alle Steine sind dem gleichen Grund entsprungen (logisch), weshalb sich die Kerben alle auf einer Höhe befanden.

Also der Steinwald hatte schon was. Unser letztes Ziel im Nationalpark war der Eternal Mushroom. Ohne zu wissen, was das eigentlich war, ließen wir uns vom wohlklingenden Namen anlocken. Chinesen sind in dieser Hinsicht sehr kreativ. „Bambustempel“ und

Eines der Skulpturfelsen, genannt: Mutter und Kind

„Park der Großartigen Aussicht“ beflügeln die Fantasie und sind größtenteils leider eine Enttäuschung. Jedenfalls halten sie nicht das, was man sich unter solchen Namen ausmalt. Der Bambustempel hat vor seinem Tor ein paar Bambussträucher stehen, die sonst auch vor jedem anderen Tempel zu finden sind und der Park ist und bleibt ein gewöhnlicher Park am Fluss. Vielleicht wurde die Aussicht auf den Fluss früher so gelobt… Zurück zum Magic Mushroom. Wir folgten dem Weg an Feldern vorbei auf eine Plattform, die zugleich eine Sackgasse war. Um uns herum pilzartige Gesteinsverformungen, die durch Winderosion am Sockel schmaler und nach oben hin breiter werden – wie ein Pilz eben.  Nett sah es aus und da die Pilze nicht all zu hoch waren, ließen wir uns jeweils darauf ablichten :). Der Wind wehte ganz schön stark und man musste aufpassen, nicht runterzufallen.

Irgendwann werden auch magische Pilze langweilig und wir machten uns zum Ausgang des Parks auf; zurück auf die breite, geteerte Straße und zu den gepflegten, mit Minizäunen gesicherten Grünflächen. Und wie wir auf unseren Bus warteten, kaufte Annika sich noch eine schöne, traditionelle Kopfbedeckung der dort ansässigen Yu-Minderheit.

24. Januar 2011 – Yuanyang Reisterassen

Am 23. Januar stiegen wir abends in den Schlafbus Richtung Süden ein – genauer Richtung Yuanyang zu den Reisterassen, das Bild, an dass die meisten Leute denken, wenn sie „China“ hören. Nach einer langen und erholsamen Busfahrt (hatte ich schon erwähnt, dass ich Schlafbusse liebe?) kamen wir morgens um 5 Uhr an. Um 6 Uhr etwa leuchtete mir eine Taschenlampe ins Gesicht: Die Frau vom Hostel kam, um uns abzuholen. Nach einigen Missverständnissen packten wir unsere Sachen und ließen uns zum Hostel bringen. Hiroki hatte kurzfristig kein Ticket mehr für unseren Bus gekriegt, fuhr deshalb eine andere Route und wollte später dazustoßen. Am Hostel kurz das Gepäck abgeladen und schon ging es los. Wir mieteten Fahrerin und Minivan für einen Tag und teilten es uns mit 2 Amerikanern, was letztendlich jeden nur etwa 80 Yuan kostete. Für die Scenic Spots musste man Eintrittskarten kaufen. Mit 60 Yuan nicht ganz so billig.

Es fing schon nicht gut an: Die ersten Reisterassen waren wolkenverhangen und man sah außer dickem Nebel, den ich auf dem HuangShan schon zu genüge gesehen habe, nichts. Also entschieden wir uns für eine Frühstückspause im dreckigsten Dorf, dass ich je gesehen habe. Mülleimer gibt es nicht, erzählt uns unsere Fahrerin, einfach auf die Straße damit, es würde zur Seite gekehrt werden. Wann danach mit dem ganzen Zeug passiert, weiß ich auch nicht. Wir probierten lokale bao zi und fuhren danach zu den nächsten Terassen. Gott sei Dank klärte es auf und man hatte eine wunderbare Aussicht auf eine faszinierende Landschaft, die mit ein paar Restnebelschleiern umso mystischer aussah. Der Nebel kommt und geht wie er will, sagen die Einheimischen, besonders im Frühling sei es sehr nebelig, was unsere Fahrerin keineswegs davon abhielt mit 50 km/h über Serpentinen zu brettern, wo man doch nur 50 m Sichtweite hatte… Hauptsache, das Warnblinklicht ist an und ab und zu wird gehupt.

Auf dem Weg durch die Berge begegneten wir Ringviehtreibern und Händler, die die ganzen Strecken zu Fuß liefen. Das Gebiet ist riesig, teilweise sind wir eine halbe Stunde gefahren. Gegen Mittag wurde Hiroki aufgelesen und am Abend entspannten wir uns im Hostel, das eher wie ein Hotel war, mit einem Film, den Annika in Kunming gekauft hatte. Wir wollten, dass Hiroki  bei uns im 3-Bett-Zimmer schlief, aber die Hostelleitung war strikt dagegen. Wir legten uns ziemlich mit ihnen an. Er hätte sogar den gleichen Preis wie für ein Dormbett gezahlt, aber sie blieben sturr. Er tat uns leid, dass er als Einziger ins kalte Dorm ohne Heizdecke musste und, dass die Besitzer noch Schadenfreude empfanden, war echt das Höchste! Heimlich gaben wir ihm eine unserer Heizdecken und wünschten uns eine gute (warme) Nacht.

Tatsächlich war die Nacht gar nicht so kalt gewesen, nur der Nebel am nächsten Tag trübte etwas die Stimmung. Wir checkten so schnell wie möglich aus. Das Photographer’s Hostel ist nur für günstige Übernachtungen zu empfehlen und hat sonst nichts, was man aus anderen Hosteln gewohnt ist. Nachdem wir unser Gepäck am Busbahnhof deponiert hatten, suchten wir uns einen Motorrikschafahrer für eine letzte Tour zu den Terassen. Bereits am zweiten Tag hatte ich genug von Reisterassen, sahen doch eh alle gleich aus. Aber die Zeit bis zum Abend musste man ja irgendwie sinnvoll rumkriegen. Wir fanden einen netten und günstigen Fahrer, mit dem wir schließlich den ganzen Tag verbrachten. Er war echt cool drauf und half uns bei einigen Sehenswürdigkeiten per Hintertürchen reinzukommen. So stapfen wir durch ein Dorf und über Trampelpfade zu einer weiteren Aussichtsform. Zum Glück haben wir den Eintritt gesparrt, denn außer einer weißen Wand sah man dort nichts. Wir fuhren noch zu einem Dorf, das 60 Yuan Eintritt verlangte. Zu viel. Also nichts wie los auf Vorschlag unseres Fahrers die Reisterassen runtergeklettert und den Hintereingang nehmen. Leider machten wir einen Fehler: Zuvor am Ticketstand haben wir uns zu lange über die Preise aufgeregt, sodass man uns schon kannte. Zudem waren wir die einzigen Touristen dort. Als man uns also im Dorf entdeckte ohne den Ticketschalter passiert zu haben, wurden wir sofort des Dorfes verwiesen. Schade, hätte klappen können. Ein bisschen was haben wir trotzdem gesehen. Ein etwas psychisch behinderter Mann bot sich im Dorf an unser Reiseführer zu sein. Nett von ihm. Leider war er total nutzlos und dackelte eher uns hinterher, bis man uns eben entdeckte.

Zurück auf der Motorrikscha ging es ins Hauptdorf zurück, von wo aus wir dem Schlafbus nach Kunming nehmen wollten. Unser Fahrer war total korrekt und hat nicht mal Aufschlag für den Abstecher ins Dorf verlangt. Auf dem Dorf hilft man sich viel gegenseitig. So nahm unser Fahrer 2 Jungen im Alter von etwa 15-17 auf dem Weg mit. Erschreckend ist, dass selbst so junge Leute schon rauchen.

26. Januar 2011 – Dali

So, jetzt kommen wir endlich zu meinem Lieblingsort auf der Reise, Dali. Dali ist wie viele alte Dörfer in eine Alt- und eine Neustadt geteilt. Zum Glück ist die Neustadt weit genug entfernt von der Altstadt, sodass man das Gefühl hat, ein wenig in der alten Zeit zu schwelgen. Dali ist nicht groß, die Altstadt jedenfalls, und ist ein eigentständiges kleines touristisches Dorf. Mit dem Bus fährt man aus der neuen Stadt raus an Feldern vorbei bis man am Stadttor der Altstadt ankommt. Und die Lage Dalis ist eindrucksvoll. Hinter einem ragen majestätisch die Gipfel des 4000m hohen Cang Shan auf und vor einem breitet sich der lange Erhai See aus. Dali genau dazwischen. In den fünf Jahrhunderten des unabhängigen Yunnans war Dali das Zentrum und auch das Ende der Burmastraße. Die größte Minderheit in der Region sind die 1,5 Mio. Bai. Hin und wieder trifft man einen von ihnen, so wie die alte Frau am See, die uns unbedingt einen Bootstrip andrehen wollte und einfach nicht loslies. Selbst als wir schon zigmal abgelehnt hatten und den gleichen Weg zurück mussten, kam sie nochmal an. Aber ohne Hartnäckigkeit kommt man in Asien nicht weit.

Wir haben einen Abend und einen Tag in Dali verbracht. Vom Hostel mieteten wir für 10 Yuan günstig Fahrräder und fuhren erstmal drauflos. Außer den 3 Pagoden gibt es eigentlich nicht viel zu sehen. An diesem Punkt der Reise waren wir besonders knauserig. Ich weiß nicht mehr wieviel der Eintritt kostete, jedenfalls war er uns für 3 Pagoden und einige Tempel zu hoch. Also musste der hohe Felshaufen als Aussichtspunkt herhalten. Fahrräder abgestellt und raufgeklettert, hatte ich nicht nur einen tollen Blick auf die Pagoden, sondern auch auf den riesigen See. Das sah so geil aus! Nach tausenden Fotos schwangen wir uns wieder auf die Drahtesel und fuhren Richtung Erhai See, vobei an einem alten Dorf. Eine erfrischende Brise wehte uns entgegen. Und ehe ich es vergesse, in Dali habe ich die schlimmsten Toiletten in ganz China gesehen! Eigentlich ist es auch ganz amüsant und mittlerweile stört es mich nicht mehr so. Diese Toiletten werden wohl alle halbe Jahre mal geleert und Privatsphäre ist auch ein Fremdwort. Nur die Geschlechtertrennung wird beibehalten. Am Nachmittag des zweiten Tages entschieden wir uns zur Weiterfahrt nach Lijiang.

Dali ist echt ein Ort der Erholung. Zwar auch touristisch erschlossen, aber gerade das macht es so schön. Die vielen kleinen Cafés und die Ausländerstraße haben schon was für sich und die alte Stadmauer mit Blick auf den See ist etwas ganz Besonderes. Ich würde immer wieder gerne hierher zurückkommen.

28. Januar 2011 – Lijiang

Wir kamen am Abend in Lijiang an, das nur 4 Stunden von Dali entfernt liegt. Das Hostel Mama Naxi lag genau in der Altstadt, perfekt. Dieses Mal war es kein Hostel des Hostelworld-Verbandes sondern ein Guesthouse. Woran sich das bemerkbar machte? Es herrschte eine familiärere Atmosphäre, es gab keine Locker für das Gepäck, weil ja niemand zu Hause sein Gepäck einschliessen würde, und der Aufenthaltsraum gleichte dem Wohnzimmer von Mama Naxi. Diese war eine nette, ältere Frau, die einem bei allen Problemen half, kochte und eben wie eine Mama war. Neben dem Personal wohnten noch 4 Katzen, 2 Hunde und ein armer Vogel im Guesthouse. Es war echt gemütlich da, obwohl ich die internationale Atmosphäre in Hosteln bevorzuge.

Der nächste Tag begann um 8 Uhr. Für Annika und mich jedenfalls. Wir frühstückten in der Nähe und tranken einen langersehnten guten Kaffee. Irgendwann um 9 war Patrick auch aufgestanden und wir entdeckten gemeinsam die Altstadt. Ich finde Lijiang nicht besonders reizend. Es hat viel von seinem ehemaligen Charme eingebüßt durch den Tourismus. Die Altstadt ist nur dem Namen nach „alt“. In den restaurierten, einstöckigen Häusern sind Restaurants, Souvenirläden und sonstiger Krimskrams untergebracht. Alles zu touristischen Preisen. Die Altstadt ist wie ein Labyrinth, ständig verliefen wir uns auf der Suche nach dem Hostel. Alles sah irgendwie gleich aus und überall wurden die gleichen Dinge verkauft, was die Orientierung nicht gerade erleichterte. Es wurde sogar in sämtlichen Läden der gleiche Song gespielt, ein sehr berühmtes Lied einer lokalen Sängerin. Gegen Mittag trafen wir Hiroki im Hostel und machten uns zu viert nun auf zum Teich des schwarzen Drachen, der zusammen mit dem Yulongxue Shan das beliebteste Fotomotiv Lijiangs ist. Den Ratschlag eines Deutschen folgend, liefen wir die Straße gen Norden vorbei am Haupteingang hoch und hielten nach einer Brücke in den Park Ausschau. Wie überall in China wurde Eintritt für den Park verlangt und nicht zu wenig. Ganze 80 Yuan wollten sie von jedem haben. Vor dem Eingang lungerten schon einige alte Frauen rum, die anboten Touristen für nur 30 Yuan pro Person in den Park zu bringen. Aber wir hatten ja bereits den Hinweis, dass es ganz einfach ist, selbst diese Brücke zu finden. Und tatsächlich fanden wir eine Brücke, die schnurstracks in den Park führte. Nur noch durch das Loch im Zaun und wir waren drin. Dachten wir jedenfalls. Ewig irrten wir an einem Berghang umher, vorbei an Gräbern, Kleidungsstücken und singenden Männern. Ich war sau froh, dass wir erstens zu viert und zweitens nicht nachts unterwegs waren!! Irgendwann sahen wir ein, dass wir uns verlaufen hatten und suchten einen Weg raus. Den fanden wir auch, aber das war eine zwielichtige Gasse zwischen 2 Fabrikgeländen, in der überall Knochen und Tierschädel verstreut lagen… Endlich draußen musste ich mich erstmal von diesem Schock erholen. Später mussten wir feststellen, dass wir bereits im Park waren und das Loch um Zaun schon wieder aus dem Gelände rausführte auf einen Berg. Also nochmal über die Brücke und diesmal rechts rum und nicht durch den Zaun. Der Park war ganz nett, aber sicher keine 80 Yuan wert. Und das Fotomotiv des Berges mit dem See, einer Brücke und einer Pagode davor ist berechtigt das beliebteste Bild. Wie gemalt!

Am Abend wurden wir noch Zeuge einer Tanzeinlage einiger Naxi-Frauen. Sehr interessant. Begeisterte Chinesen tanzten auch mit. Die Naxi sind die in Lijiang vorherrschende Minderheit. Sie haben eine reichhaltige Kultur, Dongba genannt. Es wird geglaubt, dass in jedem Gegenstand ein Geist wohnt. Der Wassergeist ist für die Naxi der wichtigste Geist, denn Wasser bedeutet Leben. Am Eingang des Parks gibt es ein sehr interessantes und gut gemachtes Museum zu den Naxi und ihrer Kultur. Lijiang am Abend ist beeindruckend. Überall leuchten einem Lampions und gelbe Lichter den Weg, es gibt eine lange Kneipenstraße und Essen ohne Ende. Eine Spezialität sind die Lijiang Baba’s. Ich hab leider vergessen wie die chin. Schriftzeichen aussehen. Das ist ein süßer oder herzhafter Fladen. Echt gut!!

29. Januar 2011 – Tigersprungschlucht

Der ganze nächste Tag war für die Tigersprungschlucht eingeplant. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, aber da die Zeit reicht und Patrick hinwill, warum nicht. Und ich habe es nicht bereut. Es ist nach Dali der zweitschönste Ort.

Noch vor Sonnenaufgang um 8 Uhr saßen wir im Bus zur Schlucht. Die Fahrt dauerte 2 1/2 Stunden etwa, inkl. verspäteter Abfahrt. Als wir ankamen wurde erstmal Eintritt kassiert, obwohl wir die Information hatten, dass es kostenlos wäre. Dank meinem abgelaufenen Schülerausweis bekam ich den günstigeren Tarif von 50 Yuan, Patrick musste als einziger 100 blechen und war dementsprechend schlecht gelaunt nachher. Wir handelten noch den Preis für ein Mietwagen plus Fahrer aus und kamen eigentlich ganz gut weg mit 40 Yuan pro Person. Dann ging es endlich los. Wir machten an dem ersten Punkt halt, entschieden uns aber recht schnell dazu weiterzufahren, weil es übertrieben windig war.  Der zweite Punkt war das einzige Restaurant dort, an dem wir Halt für eine Mittagspause machten. Die Preise waren erstaunlich human und der Blick aus den Toiletten war auch einzigartig :D.

Der dritte Halt wurde bei der eigentlichen Schlucht gemacht. Wir wanderten 1 Stunde lang am Berg hinunter und eine wieder hoch. An der tiefsten Stelle angekommen machten wir viele Fotos und kletterten auf den Felsen herum. Für den größten Felsen, auf dem eine Steintafel mit der simplen Inschrift „中虎跳峡“ steht, wurde sogar Eintritt verlangt. Auf dem Weg nach oben kamen wir an einem Rastpunkt an (eine einfache Hütte), in der noch das Verkaufsschild für Edelweissblumen stand. Sogar auf Deutsch stand da der Name drauf. Ich finde das ziemlich schokierend und traurig zugleich, dass eine höchstseltene Pflanze, die in Deutschland unter Artenschutz steht, in China einfach mal so für 2€ an interessierte Touristen verkauft wird. Auf dem Weg nach oben mussten wir einige Meter lang, eine senkrecht nach oben führende Himmelsleiter hochklettern. Ich hatte jeden Moment das Gefühl die Verankerung bricht und ich würde rücklings nach unten fallen…

Außer Atem, aber heil oben angekommen, wurden wir mit einem einzigartigem Panorama belohnt und ich bin immer noch der Meinung, dass die Landschaft locker in Tibet hätte sein können. Auf dem Weg zurück machten wir noch Bekanntschaft mit der chinesischen Konfliktlösung. Wir wollten nochmal am ersten Punkt halten, wurden aber recht schnell von den Sicherheitskräften verwiesen mit der „Begründung“, dass es „eine Angelegenheit gibt“ (有事情). Was für eine verriet man uns nicht. Kaum zurück im Auto düste unser Fahrer sowas von schnell davon, dass wir nicht locker ließen, um den wahren Grund zu erfahren. Hiroki übersetzte uns, dass es anscheinend Probleme zwischen den Anwohnern in der Schlucht und der Regierung gibt. Wer da den Kürzeren gezogen hat, ist ja wohl klar. Die Regierung will den selbstständigen Verkauf der Bewohner verbieten, die sehen es aber als ihr gutes Recht an, Waren an Touristen zu verkaufen und sich so etwas dazuzuverdienen. Verständlich. Wir wurden von Weitem dann noch Zeuge eines riesigen, bewaffneten Polizeiaufgebots. Beeindruckend… Man hat uns vom Schauplatz weggelockt, indem uns versprochen wurde, den ganzen Eintritt zurückgezahlt zu bekommen. Auch nicht schlecht, denn wir kamen genau am ersten Tag an, an dem die Hauptsaison wieder losging und kassiert wurde.

30. Januar 2011 – Zurück in Lijiang und zurück nach Kunming

Den letzten Tag machten wir nichts Besonderes mehr. Am Tag davor ist Hiroki abgefahren. Schade eigentlich. Annika ging es gesundheitlich immer schlechter, aber sie hielt sich tapfer mit Medikamenten über Wasser. Nachdem wir das Bus- gegen ein Zugticket getauscht hatten, sind wir abends in einen der wenigen Doppeldecker-Schlafzüge Richtung Kunming gestiegen. In unserem Abteil war eine Chinesin, die mir ganz aufgeregt erzählt hat, dass sie das erste Mal so nah an Ausländern ist ^^. Schon süß irgendwie. Scheint sie sonst nur von Weitem durch die Kamerazoomfunktion gesehen zu haben.

31. Januar 2011 – Letzter Tag in Kunming

Morgens kamen wir wieder in der Frühlingshauptstadt an. Eigentlich wussten wir gar nicht so richtig, was wir machen sollten. Der Bambustempel ließ sich schnell in 2 Stunden abhandeln, nichts groß was besonderes. Schön waren die vielen geschnitzten Erhats und die Tierfiguren auf den Balustraden, sonst war von Bambus eher weniger zu sehen. Wir waren die einzigen Besucher zu der Zeit und es war wunderbar ruhig dort drin.

Am Abend nahmen Annika und ich den Zug nach Guangzhou und verabschiedeten uns von Patrick, der einen späteren Zug nach Shanghai nehmen wird. Ich besuche Familie, Annika trifft auf unsere Freunde in Guangzhou und Patrick ist in Shanghai zum Frühlingsfest eingeladen.

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Winter in Sichuan

12. Januar 2011 – Qingdao  

Ich habe mich für einen Trolley entschieden. Dieser steht gepackt zusammen mit meinem Daypack neben der Garderobe und ich bin fertig für die Reise. Zuvor habe ich daran gedacht, alle verderblichen Lebensmittel aufzuessen bzw. mit auf die Zugfahrt zu nehmen. Es wird eine lange Fahrt, meine längste Zugfahrt bisweilen. Ich habe vor dem Ticketkauf zwischen Sitz- und Schlafplatz überlegt, mich dann für einen Schlafplatz entschieden, weil die 41-Stundenfahrt 2 Nächte beinhaltet. Zum Glück konnte ich den Weichschläfer noch gegen einen Hartschläfer tauschen, sodass es insgesamt „nur“ 474 Yuan kostete. Den Tanzkurs am Abend musste ich absagen, da der Zug schon nachmittags ging. Etwas mulmig war mir schon, werde ich doch über einen Monat lang nicht zu Hause sein. Ich hoffte, dass alles klappt und wir nicht all zu viel Stress durch die größte, regelmäßige Migrationsbewegung der Welt bekamen. Richtig, auch dieses Mal konnte ich Patrick dazu bewegen, zusammen zu reisen :). Auch Annika wollte mitkommen.  

nächtliches Treiben im Zug

 Also ging es irgendwann nachmittags zum Bahnhof. Mein Trolley war wahnsinnig schwer. Ich werde nie wieder so viel mitnehmen auf Reisen, besonders nicht im Sommer! Schon die Wartehalle quillte über vor wartenden Menschen, Koffern und und Koffer-substituirenden Reissäcken. Na das kann ja was werden. Plötzlich war ich heilfroh über meinen Schlafplatz. Als die Massen dann eingelassen wurden, drängte alles rein und es wurde mal wieder ungemütlich eng und laut. Die Ticketkontrolleurin hatte es aufgegeben nach den Fahrkarten zu fragen und scheuchte die Massen mit einem „Kuai yi dianr“ nur so durch. Man rannte die Treppe hoch und auf den Zug zu; Angst, dass für das eigene Gepäckstück kein Platz mehr frei sein könnte. Das Hartschläferabteil war zu dem Zeitpunkt noch ertstaunlich leer. Mein Trolley fand ausreichend Platz in der oberen Ablage und ich im obersten Bett. Unter mir lagen eine Frau und ein Junge, deren Beziehung zueinander ich bis zum Ende der Fahrt nicht verstehen sollte. Sie war entweder seine Mutter, ältere Schwester oder eine andere nähere Verwandte. Ich kam mit ihr ins Gespräch, aber traute mich nicht genauer zu fragen. Sie sprach einen Sichuan-Dialekt mit dem Jungen, der nur schwer zu verstehen war. Ich verstrieb mir die eineinhalb Tage im Zug mit Essen, Musik hören, Chinesisch lernen, Schlafen, Details der Reiseroute planen und mit meinen Mitreisenden quatschen. Am zweiten Tag lernte ich einige Deutschland-interessierte Mitreisende kennen, denen ich vieles über mein Heimatland erzählen konnte und die den ständigen Vergleich zu China gesucht haben. „Deutscher Reis“ ist zum Beispiel die Kartoffel :).  Ich bekam auch Hilfe bei meinen Chinesichaufgaben von einer interessierten Chinesin. Mittlerweile weiß ich auch besser, wie man sich günstig und trotzdem abwechslungsreich und gesund auf einer Zugfahrt ernährt. Gekochte Süßkartoffeln und Mais, viele Sonnenblumenkerne und ausreichend Obst sind das Geheimnis. Früher dachte ich es gäbe nur Tütensuppen, weil alles andere verdirbt ohne Kühlung und Essen im Zug zu teuer ist.  

Die Stunden vergingen mehr oder weniger schnell. Wenn um 21.30Uhr die Lichter ausgingen und alle schliefen, ist es sehr entspannend und schön einfach noch im Gang zu sitzten, den Mond zu betrachten, versuchen, die vorbeiziehende Landschaft zu betrachten und gute Musik zu hören. Am Freitag, den 14. Januar, verließ ich um 9.20 Uhr morgens einige Tausend Kilometer weiter westlich den Zug in Chengdu.  

14. Januar 2011 – Chengdu  

Es wurde erstaunlich spät erst hell, das konnte ich im Zug sehen. Was aber auch klar ist, wenn man sich weiter westlich befindet. Ich habe im Zug eine nette Frau kennengelernt, die mir geholfen hat, die richtige Bushaltestelle zu finden und so kam ich fix im DreamsTravel Hostel an, in dem Patrick schon auf mich wartete. Das Hostel ist wirklich zu empfehlen. Es liegt im tibetischem Viertel der Stadt, in dem man oft Mönchen (einige schliefen in meinem 10-Bett-Budget-Dorm) und vielen Minderheiten begegnet. Woran man Minderheiten erkennt? Das wusste ich auch nicht, aber die Kleidung verrät sie doch schnell. Wir sind am ersten Tag ins den größten Tempel Chengdus gegangen, zu dem viele pilgern. Enttäuschenderweise sah er nun mal aus wie… ein Tempel eben. Eine nette Pagoda stand in der Mitte, an deren Balustraden Vogelfutter vertreut lag. Sonst gab es noch einen eingezäunten Hahn, der in der Mittagspause von gelangweilten Köchen genervt wurde, die ihn füttern wollten und so mit Körnern beschmissen. Danach probierten wir Chengdus unglaubliches, einspuriges Metro-„System“ aus und fuhren zum Volkplatz. Wie auf vielen großen Plätzen in China grüßte uns eine übergroße Mao-Statue und man konnte Menschen bei allem (un-)Menschlichem beobachten.  

  

Ich wollte noch auf ein Hochhaus gehen, um einen Überblick über Chengdu zu verschaffen. Also steuerten wir auf das höchste Gebäude in der Nähe zu und betraten ein Bürogebäude. Ich versicherte dem Wachmann, dass wir zum Englischcenter in den 30. Stock wollten, drückten stattdessen aber auf den 43. Stock und fuhren ganz nach oben. Dann der Schock: Baustelle! Oder fertig gestellte Baustelle. Wir kamen in einen ungefliesten, kahlen Betonraum, der für die Öffentlichkeit noch nicht hergerichtet wurde. Alles kahl und es wäre die perfekte Kulisse für einen Actionfilm gewesen mit um die Ecke springenden Armschützen und fiesen Ganoven. Panisch rannte ich zurück zum Aufzug als dieser sich schließen wollte, aber zum Glück gab es schon eine Taste zum Aufzug rufen. Erleichtert über den sicheren Abstieg vom Gebäude machten wir uns vorsichtig auf den Raum zu besichtigen und näher an die Fenster zu kommen. Es hätte jederzeit einstürzen können, hatte ich das Gefühl, aber das war wohl etwas übertrieben, zumal man das Stockwerk problemlos mit dem Aufzug erreichen konnte und keine Warnschilder existierten. Sollten wir erwischt werden, würden wir einfach den dummen Touristen spielen! Der Blick über Chengdu war jetzt nicht so atemberaubend wie vielleicht erwartet. Eine dichte Dunstglocke schwebte über der sonst grauen, voller Hochhäuser besiedelten Stadt, die kein schönes Panorama (anders Shanghai) bietet. Patrick wollte noch in den 44. Stock, aber hinter der dicken Tür schienen andere Leute zu sein, also fuhren wir wieder runter, in der Hoffnung nichts Illegales gemacht zu haben.   

  

Wir besuchten noch eine kleine Touristenmeile gegenüber vom Hostel und staunten über die vielen Hasen-Lampions. Abends waren wir oft im Hostel. die Mitarbeiter sind super nett und auch die anderen Gäste sehr  

Zwei Chinesinnen, ein Koreaner und der Deutsche!

 aufgeschlossen und interessiert. Ich begegnete einem Tibeter, der mich aus mir nicht ersichtlichen Gründen ständig auslachte, einem des Hui-Volk angehörigen, etwas aufdringlichen Chinesen, mehreren netten, gesprächsbereiten Koreanern, einer Bai-Chinesin und vielen Han-Chinesen natürlich. Wir hatten immer viel Spaß zusammen. Die Bai-Chinesin, die sich Apple nannte, kochte häufiger abends und danach betrank sie sich regelmäßig. Einmal war es so schlimm, dass sie über das Glück in der Welt philosophierte und dabei realisierte wie unglücklich die Menschen sind und nicht aufhören zu weinen wollte. Weil Patrick heillos überfordert war mit der Situation, übernahm ich und erzählte ihr, dass sie entscheidend zum Glück anderer Menschen beitragen wüde. Und es stimmte doch auch ;). Reisen schafft eben Arbeitsplätze! Als sie dann so müde war, dass sie schlief, war nicht nur ich erleichtert.  

Am nächsten Tag besuchten wir das Startbild Chengdus auf Wikipedia: eine hübsche Brücke im Pagoden-Stil, die heute ein überteures Restaurant beherbergt. Inzwischen kam auch Annika an, die wir nach einem Besuch des Parks des herrlichen Flussblickturms (was für Namen) im Hostel trafen. Eigentlich wollten Annika und ich zu den Pandas, aber leider war es schon zu spät dafür. Auch am nächsten Tag werden wir wohl keine Zeit haben, weil es dann für einen Tag nach Leshan gehen soll, den Riesenbuddha grüßen.  

16. Januar 2011 – Leshan  

Leshan ist nur 2 Stunden von Chengdu entfernt. Deshalb konnten wir uns am Morgen mehr Zeit lassen und nahmen den Bus um etwa 11 Uhr. Der kleine Van fasste 8 Personen und so tuckerten wir auf Autobahnen bis zur Stadt Leshan. Nachdem die ersten Fahrgäste ausgestiegen sind, ging es für uns 3 weiter zum Parkeingang des Riesenbuddhas. Die eine Frau aus dem Van bot uns an, für uns den Schülerpreis zu verhandeln, was wir dankbar annahmen. Woran wir aber nicht gedacht haben, war, dass sie für uns gleich beide Eintrittskarten gekauft hat und wir somit selbst mit Schülerpreis mehr zahlten als für den reinen Besuch des Buddhas notwendig gewesen wäre. „Auch bei netten Menschen sollte man aufpassen“ ist die Lehre daraus. Worüber ich mich anfangs noch aufregte, war im Nachhinein gar nicht so schlecht. Der extra-Park war echt schön und man konnte einige  

hinter mir der in den Berg gemeißelte, liegende Buddha

 thailändisch anmutende Riesenstatuen begutachten, einen berggroßen, liegenden Buddha sehen und eine Treppe, die in den Himmel zu führen scheint, hinauflaufen. Rechts und links von ihr waren Tausende von Schlössern von Pärchen angebracht worden, die auf ewig haltenene Liebe hoffen. Die Erde in der Region hat die Sichuan-typische rote Farbe und viele Statuen sind moosüberwachsen, was dem ganzen noch eine viel mystischere Stimmung gibt. Fast so wie in Tomb Raider ;). Wir fanden einen neuen-alten Tempel, der gerade erst gebaut wird und dessen Eingangstor zugebaut wurde. Wie immer führte unweit des Tors ein kleiner Trampelpfad den Hügel hinauf und schließlich in den Komplex. Interessant waren die Wendeltreppen, die in den noch offenen zweiten Stock des Rohbaus führten. Von oben hatte man eine nette Aussicht über die nebelige, regnerische Umgebung.  

  

Immer den Schildern Richtung „Da Fo“ folgend, erreichten wir nach kurzer Zeit endlich den Buddha. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass hinter der Brüstung schon der Buddha auf uns warten würde, das ging doch schneller als vermutet. Und in echt ist das Teil nochmal viel beeindruckender als auf Fotos. Eigentlich wollte ich gar nicht hierher fahren, weil es überall in China große Buddhas gibt, aber nachdem ich nun da war, würde ich es jedem Chengdu-Reisenden ans Herz legen auch mal nach Leshan zu fahren. Außer dem Buddha, der an sich schon wirklich beeindruckend und sehenswert ist, sollte man sich den Park auch nicht entgehen lassen. Und zuletzt ist die Aussicht auf die reissenden Strömungen im Fluss auch einzigartig. Leider hat bei uns das Wetter nicht ganz mitgespielt, aber wenigstens war es dort nicht so voll. Natasha, die um das Frühlingsfest herkam, musste 1 Stunde auf der Treppe anstehen, um an den Berg runter zu den Füßen des Buddhas zu klettern.  

Warum hat man den Buddha überhaupt gebaut?  Wie schon erwähnt ist der am Berg  

Da Fo - Riesenbuddha

 vorbeifließende Fluss nicht der ruhigste. Früher sind viele Menschen mit ihren Booten gekentert als sie an dieser Stelle vorbeifuhren. Um die Flussgötter zu besänftigen, baute der Mönch Haitong 713 den 71 m hohen Riesenbuddha. Nach seinem Tod vollendeten seine Schüler 90 Jahre später die Statue. Sie blickt auf den heiligen Berg Emei Shan unweit davon. Tatsächlich wurde der Fluss sicherer für die Schifffahrt. Die Massen an Steinen, die beim Bau aus dem Berg abgetragen wurden, veränderten den Lauf des Flusses, sodass gefährliche Strömungen seltener waren. Der Buddha ist, geschützt durch ein internes Drainagesystem, recht gut erhalten.  

Großer Buddha von unten. Man beachte die Größe seines Zehs im Vergleich zum Warnschild.

 Auf dem Weg zurück nach Chengdu mussten wir -mal wieder- rennen, was unsere Beine aushielten. Wir waren spät dran für den letzten Bus. Wer hätte das gedacht… Wenn man entspannt irgendwo hinfahren will, muss man damit rechnen gehetzt zurückzufahren. Fährt man gehetzt hin, kann man entspannt zurückfahren. Sowohl entspannt hin als auch zurück, habe ich bisher noch nicht geschafft. Im Bus angekommen, nickte ich schnell ein und wachte erst wieder auf, als mein linkes Bein drohte abzusterben. Bis nach Chengdu war es auch nicht mehr weit…  

Zurück in Chengdu gingen Annika und ich noch schnell zu Carrefour, um uns mit reichlich Proviant für die morgige 12 stündige Busfahrt nach Jiuzhaigou zu versorgen. Wir kauften Teigwaren, Obst, Gemüse, Toastscheiben, Süßigkeiten, Kaffee und Wasser. Patrick hatte indessen sein Date, weshalb wir für ihn miteinkauften. Es wurden 4 schwere Tüten. Chinesische Lebensmittel sind eher für lange Reisen gemacht als sie in Deutschland sein würden. Alles gibt es in kleinen Protionen abgepackt, überall hat man an Becher und Besteck gedacht und viele Dinge halten sich ohne Kühlung. Nach dem anstrengenden Shopping aßen wir bei KFC und fanden anschließend die Bushaltestelle nicht, an der unser Bus fahren sollte. Als wir sie dann fanden und einstiegen, fuhren wir eine Ewigkeit lang, aber unsere Haltestelle wurde einfach nicht angesagt. Der Busfahrer teilte uns mit, dass er einen geänderten Plan fuhr und nicht an unserer Station vorbeikommen würde. Also stiegen wir schwer bepackt aus und mussten wohl oder übel ein Taxi nehmen. Ein Glück, dass das so günstig ist hier!  

17. Januar 2011 – Busfahrt nach Jiuzhaigou  

Am nächsten Tag hieß es zeitig aufstehen, schließlich fuhr der einzige Bus nach Jiuzhaigou schon um 8.oo Uhr. Tickets hatten wir schon und so ging es nach einem scharfen Frühstück ohne Probleme zum Busbahnhof. Wir waren sogar recht früh da und ausnahmsweise mal entspannt unterwegs. Der Bus kam, wir stiegen ein und sahen 2 bekannte Gesichter aus dem Hostel wieder: 2 der Tibeter. Aber der eine Tibeter, der sich immer so über meine Anwesenheit gefreut hatte, war nicht darunter ;). Während der Fahrt versorgten uns die beiden mit Live-Performances der tibetischen Musik. Ich hätte nicht gedacht, dass die Volksmusik auch bei Jugendlichen noch so beliebt ist. Das kann man von dt. Volksmusik  nicht behaupten. Wir kamen an zerstörten Felshängen, reißenden, türkisblauen Flüssen und zusammengebrochenen Brücken vorbei. Die Schäden des Großen Bebens 2008 wurden noch immer nicht vollständig behoben und vielerorts kann man sich die Lage vor 2 Jahren noch ziemlich gut vorstellen. Unser Bus fuhr auch einen von der normalen Route abweichenden Weg, weil dieser durch das Erdbeben zerstört wurde. Deshalb brauchten wir auch lange 12 Stunden für eine Strecke vom etwa 500 km, die man locker in 7 Stunden befahren kann. Ich fragte mich, warum es für diese Dauer keinen Nachtbus gab, aber als ich die Strecke sah, war mir klar warum. Teilweise war die Straße nur einspurig und verlief am Berg entlang in Serpentinen. Auch mussten Ausweichmanöver her, um herumliegenden Felsbrocken sicher zu umfahren. Das alles in völliger Dunkelheit (Laternen gibt es auf dem Land nicht) wäre lebensmüde, das wissen sogar die Chinesen.  

  

Aber die Strecke wäre auch viel zu schade, um nachts befahren zu werden. Denn dafür ist sie viel zu schön. Wir kamen an gefrorenen Seen vorbei, wunderschönen, klaren Flüssen, Tannenwäldern, von denen ich dachte, sie seien nur in Skigebieten so schön und einer  Steppenlandschaft, die auch in der Mongolei hätte sein können. Wir durchquerten das hübsche Dorf Songpan, wo ich eigentlich Pferde reiten wollte. Aber zeitlich hat es leider nicht gepasst. Je weiter wir hochkamen (der nördliche Teil Sichuans liegt auf einer Hochebene) desto mehr Schnee lag. Wunderschöner, weißer Schnee :). Zum Glück funktionierte die Heizung im Bus. Bald mussten auch Schneeketten ran und ich erlebte zum ersten Mal, dass in China Geld für die Toilettenbenutzung genommen wird. Dabei sind die bezahlten Toiletten meist schlechter als die kostenlosen, aber auf Reisen hat man selten die Wahl. So durfte ich weitere Sorten des in China nicht ganz so stillen Örtchens kennenlernen ;). Annika war die ganze Fahrt lang nicht auf Klo. Auch eine Erfahrung. Die Zeit im Bus vertrieb ich mir mit abwechselnd Schlafen, Essen, Musik hören, aus dem Fenster gucken und mit Annika quatschen. 

   

Nach nur 10 Stunden kamen wir gegen 18 Uhr im Dorf an und wurden sogleich von einem Hotelschlepper angesprochen und genervt. Sie verfolgte uns ein ganzes Stückchen und bot an, uns mit dem Auto zum Hotel zu fahren, sodass wir es uns anschauen könnten. Angesichts des weiten Weges bis zum Hostel, der frostigen Temperaturen und der kostenlosen Autofahrt, willigten wir schließlich ein und ließen uns zum Hotel chauffieren. Das Zimmer sah echt gut aus und alles wirkte seriös, auch der Preis. Deshalb zogen wir es vor in unser Hostel zu gehen. Natürlich kannte keiner der Hotelangestellte unser Hostel in diesem 1000 Seelen Kaff, aber nach kurzem Fußmarsch fanden wir es schließlich. Es war  

Neben den zahlreichen Minderheiten in Sichuan stellen wir selbst eine dar - die deutsche Minderheit! Hier vor dem Hostel.

 kalt in dem Dorm. Wir hätten für mehr Geld auch ein Zimmer kriegen können, aber dann hätte ich mir mit Annika ein Bett teilen müssen, was ich nicht kann. Ich brauche nunmal mein eigenes Bett zum Schlafen. Also Dorm. Im Dorm trafen wir einen Japaner, der, wie sich heraustellte, im gleichen Hostel in Chengdu war wie wir und auch mit dem gleichen Bus ankam. Wir gingen mit ihm und einer Familie überteuert Essen und verstanden uns auch sonst auf Anhieb gut mit ihm, Hiroki. Ich konnte mir seinen Namen nicht merken. Erst Tage später in Kunming wusste ich, wie er hieß ^^. Es wurde eine kalte Nacht, eine sehr kalte Nacht. Gefühlte Minusgrade herrschten im Dorm, das zum Glück sehr klein war. So konnte die Körperwärme die Luft wenigstens um ein paar Grade aufheizen. An Duschen war angesichts des kalten Wassers und des unmöglichen Zustandes der Duschkabinen nicht zu denken. Man hätte sich auch sofort eine Erkältung eingefangen bei den Temperaturen. Also schlief ich in voller Montur mit zusätzlichen Unterhemden, Socken, Weste, Schlafsack und 2 Decken. Lediglich die Jacke legte ich ab. Dennoch wachte ich immer wieder auf nachts, weil mir einfach zu kalt war.  

 18. Januar 2011 – Jiuzhaigou National Park  

  Früh begann der nächste Tag. Zu Frühstücken gab’s was wir aus Chengdu mitgenommen hatten. Wir haben für 3 Tage eingekauft, weil man uns dazu riet, da das Essen dort überteuert und nicht schmackhaft sein sollte. Wenigstens verdarb nichts wegen den Kühlschranktemperaturen im Zimmer. Gegen 9 kamen wir nach einer 3 minütigen Taxifahrt am Eingang des Parks an. Die Tickets kosteten in der Nebensaison 70 Yuan plus  

gefrorener Wasserfall

 80 Yuan für den Bus, der uns dort rumfahren sollte. Ich hatte Glück und bekam dank dt. Schülerausweis den Schülerpreis :). In der Hauptsaison waren die Preise gesalzen: knapp 200 Yuan pro Person. Zuerst wollten wir auf den Bus verzichten, aber aufgrund der Größe und unserer begrenzten Zeit ließen wir uns doch drauf ein. Es war die richtige Entscheidung! Es herrschten Minusgrade und nach nur 15 min Fotopause wollte ich schleunigst zurück in den geheizten Bus. Nach Wandern war mir überhaupt nicht zu Mute. Bei höheren Temperaturen wäre es sicher ein tolles Erlebnis, aber im Winter einfach viel zu kalt! Der Bus tuckerte zu allen wichtigen Naturschauplätzen im Park, wir bekamen ca. 20-30 min Fotopause jeweils und konnten auf den Aussichtsplattformen herumlaufen. Es ging viele Hundert Höhenmeter hoch und wieder runter. Jiuzhaigou ist bekannt für sein unwirklich scheinendes, kristallklares, blau-türkises Wasser in den Tausend Seen. Und es ist wirklich bezaubernd schön. Das Wasser sieht wie gemalt aus und die Tannenwälder im Hintergrund tun ihr Übriges, um alles in eine winterliche Märchenlandschaft zu verwandeln. Hier wohnt die Schneekönigin :). Ich möchte am liebsten drin Baden, wäre es nur nicht so kalt… Einige Seen, wie der größte See im Park, sind zugefroren und schneebedeckt. Andere wiederum nicht. Ich vermute, dass die für die türkise Färbung des Wasser verantwortlichen Mineralien und Algen auch eine Frostschutzwirkung haben. Darüberhinaus ist das Wasser sehr klar und nährstoffarm, weshalb kein orgnanisches Material zersetzt wird. In vielen der Seen sind daher die von den Einheimischen als „Tausendjährige Bäume“ bezeichneten Holzrückstände zu finden.  

  

Es gibt eine Sage über die Entstehung dieses besonderen Gebietes, das seit 1992 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ist. Demzufolge soll ein Gott seiner Frau einen magischen Spiegel geschenkt haben. Diese war jedoch unvorsichtig und ließ ihn fallen. Er zerfiel in über 100 Splitter, die später zu den Seen im Tal wurden. Jiuzhaigou heißt übersetzt 9-Dörfer-Tal, benannt nach den 9 tibetischen Dörfern, die einst dort existierten. Zwar gibt es die Dörfer immernoch, aber ihre Bewohner haben sich den Tourismus angepasst. Einige können besichtigt werden, andere nicht. Auch wurden Seen aufgrund von Feuergefahr (im Winter?!) abgesperrt. Das Tal erhebt sich durchschnittlich 2500 ü. NN und hat eine Länge von 50 km und eine Breite von 20 km. Alle Seen sind natürlich aufgestaut worden. Angeblich sollenn auch Tiere, wie Pandas, im Park wohnen, aber ich hab außer Vögeln keine anderen gesehen.  

  

Teile der Wasserfälle sind zugefroren und formen bizarre Figuren, deren Größe beeindruckend ist. Es ist einfach gigantisch, wenn der halbe Wasserfall stehen geblieben ist und in sich verharrt. Flüsse verbinden die Seen miteinander und hüllten Pflanzenäste in eine dicke Schicht Eis. Ich fühlte mich in Kanadas Norden versetzt (nicht, dass ich jemals da war 😉 ), in der jeden Moment ein Bär um die Ecke springen könnte und wilde Elche röhren. Die 72 000 Hektar des Parks wurden mir erst jetzt richtig bewusst. Und wir wollten wandern?! Man bräuchte mindestens 2-3 Tage, um zu Fuß alles sehen zu können. Dennoch begegneten wir einigen Fußgängern auf dem Weg. Im Sommer ist es normalerweise so, dass immer mal Bus fahren und man an Haltestellen ein- und aussteigen kann, je nach Belieben. Im Winter muss man in einem Bus bleiben und mit seiner Touristengruppe fahren. Aber meistens wird solange gewartet bis alle wieder an Bord sind. Deshalb fand ich’s auch nicht schlimm, eine feste Gruppe zu haben. So konnte ich wenigstens den Rucksack im Bus lassen. Gegen Ende der Tour kamen wir an einem tibetischen Dorf vorbei. Tatsächlich leben dort noch Menschen, aber es heißt, dass viele von ihnen Han-Chinesen und keine echten Tibeter sind. Man will den Schein wahren. Das Dorf wirkte verlassen und künstlich angemalt. Kein wirklich schöner Anblick. Aber die weißen Stupas, tibetische Denkmäler und ein Symbol für Buddha und den Dharma, waren ein gutes Fotomotiv ;). Zusammen mit den vielen bunten Gebetsfahnen sah das wie von einer anderen Welt aus. So fremd, dass man es einfach fotografieren muss. Ich bin Tibet und dem tibetischen Buddhismus zuvor noch nie so nah gekommen. Im Westen hört man meist nur von den Separationsbestrebungen dieser Region und weiß eigentlich gar nichts über Menschen und Kultur. Jetzt ist Tibet realer geworden für mich. Man muss auch nicht nach Tibet reinfahren für tibetische Kultur. In den Grenzprovinzen wie Sichuan, Qinghai und Yunnan leben auch viele Tibeter und in größeren Städten wie Chengdu gibt es auch tibetische Viertel. Alles sehr interessant :). Schade nur, dass es so teuer, kompliziert und zeitintensiv ist, um nach Lhasa zu fahren. Ein anderes Mal vielleicht.  

Wir dachten schon der Bus wäre ohne uns abgefahren, weil wir ihn nirgends fanden. Glücklicherweise stand er nur um die Ecke und wartete ungeduldig auf seine vier verspäteten Ausländer. Und ich war froh, dass mein Rucksack noch da war. Geschafft vom Tag gingen wir die 2 km zurück zum Hostel und hatten eine wärmende Fertignudelsuppe. Während dessen klingelte Patricks Handy. Annika rief an. Annikas Handy jedenfalls. Annika  

Jiuzhaigou zum Neidisch-werden 😉

 selbst saß keinen halben Meter von Patrick entfernt und löffelte fröhlich Nudelsuppe. Total verwirrt ging Patrick ran und es antwortete eine Frau auf Chinesisch. Das Handy wanderte zu Hiroki, der versuchte herauszufinden, was eigentlich los war. Annika wurde ganz panisch und durchsuchte ihre Sachen nach dem Handy, offensichtlich war es nicht mehr da!! Der Hostelbesitzer wurde zur Hilfe geholt und nach einigen Sätzen stellte sich raus, dass tibetische Mönche Annikas Handy im Bus nach Chengdu gefunden hätten. Sie wären jetzt in Chengdu. Hiroki versuchte einen Treffpunkt mit ihnen auszumachen, da wir morgen nach Chengdu zurückfahren würden. Doch die einzige Antwort auf die Frage wo genau sie sich befänden, war „In Chengdu“. Sehr hilfreich. Dann versuchte er sie dazuzubringen, das Handy zu unserem Hostel in Chengdu zu bringen und es dort abzugeben. Nächstes Problem: die Mönche haben kein Geld für Busfahrten und keine Ahnung wo das Hostel ist. Also wollten wir ihnen die Adresse als SMS zukommen lassen. Da es aber tibetische Mönche waren, waren sie der chinesischen Schrift nicht mächtig. Na ganz toll! Und da schimpft man auf ignorante Ausländer und Expats. Zu allem Überfluss gab Annikas Handyakku seinen Geist auf und weg war die Verbindung. Somit gab es keine Möglichkeit mehr, die Mönche zu kontaktieren und es war auch unwahrscheinlich, dass Annika ihr Handy jemals wiedersehen sollte. Sie war ziemlich aus dem Häuschen und verzweifelt über verlorene Nummern und den Schock, das in dem Rucksack geglaubte Handy verloren zu haben. Es war kurz ein halber Weltuntergang für sie. Verständlich. Aber hey, man kann sich ein neues Handy besorgen, eine neue Nummer kaufen und Freunde sind auch nicht tot, dass man sie nicht erreichen könnte. Aber Annika konnte das alles nicht alleine machen. Sie schafft es einfach nicht. Unglaublich welches Selbstvertrauen in diesem Mädchen steckt. Also musste ich ran. In Kunming besorgte ich ihr ein ziemlich geiles Handy, aber dazu später mehr.Nachdem sie sich beruhigt hatte und die Nudelsuppen kalt geworden sind, gingen wir in unseren Kühlschrank zum Schlafen. Diese Nacht war wärmer und ich schlief durch. Am nächsten Tag war ich froh, endlich auschecken zu können. Wie immer wollten wir früh raus, um nicht hetzen zu müssen, aber ich hätte es besser wissen müssen. Jeder von uns trödelte ein bisschen und Annika fand ewig ihre Kautionsquittung nicht. Mit einem Taxi wären wir pünktlich zum Busbahnhof gekommen. Die unkompetenten Hostelmitarbeiter versicherten uns es gäbe Taxis so früh am Morgen (7 Uhr), doch auf dem ganzen Weg Richtung Busbahnhof kam uns kein Einziges entgegen. Das Dorf wirkte wie ausgestorben. Gelegentlich fuhren Autos vorbei, doch sie hielten weder auf heftiges Winken noch in-den-Weg-stellen. Man hupte uns nur wütend an. Die Zeit drängte, wir hatten noch 2 km Fußmarsch mit viel Gepäck vor uns und nur sehr wenig Zeit bis zur Abfahrt. Die Karten sind schon gekauft und es wäre extrem scheiße, den Bus zu verpassen. Das würde unsere ganze Planung über den Haufen werfen, viel Geldverlust und eine weitere Kühlschranknacht bedeuten. Patrick und ich rannten vor, Hiroki und Annika unterhielten sich gemütlich weiter hinten. Wir hielten einige Busse an in der Hoffnung es wäre unserer. Ich war total fertig als wir schließlich den Busbahnhof erreichten und schwörte mir, das nächste Mal noch früher aufzubrechen. Unser Bus? Stand noch! Was für ein schweine Glück wir doch immer haben. Man hatte sich die verkauften Tickets notiert und wusste so, dass wir 4 noch fehlen würden. Total außer Atem, aber sehr dankbar stieg ich in den Bus ein.  

  

Busse scheinen höchstens 10 min auf verspätete Fahrgäste zu warten und wann waren wir da? 8.10 Uhr! Planmäßige Abfahrt war um 8.00 Uhr … 🙂 Auf dem Weg zurück nach Chengdu holte ich viel Schlaf nach. Da es wieder runter von der Hochebene ging und somit bergab, kamen wir nach nur 7-8 Stunden in Chengdu an. 

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