Buntes Bratislava – ein kurzer Report
Es ist Samstagmittag im herrlich sonnigen Bratislava, der lieblich kleinen Metropole an der Donau. Dem Strom des Lebens im Herzen Europas. Ich bin froh, den schriftlichen Teil meiner Prüfung für das Sprachzertifikat gerade zufriedenstellend hinter mich gebracht zu haben. Mit einem soeben kennengelernten weiteren Prüfling schlendere ich durch die Straßen – Destination Schnellgaststätte. Wir steuern auf den größten Platz der Stadt zu, schon von weitem sieht man die Absperrungen. Ob in einem der Hotels oder Botschaftsgebäude hoher Besuch erwartet wird?
Er telefoniert. In der Mitte der Absperrung stehen ein paar Personen mit Warnweste und gewähren Einlass. Kontrollen scheint es nicht zu geben, mir fällt eine besonders bunt gestreifte Fahne ins Auge. Mein Blick fällt noch auf die eine oder andere Person, die besonderen Wert auf ihre expressive Kleidung gelegt hat, dann ist mir klar, welcher Art die Veranstaltung heute ist. Und hoher Besuch ist tatsächlich da. Wir passieren die Absperrung. Er legt gerade rechtzeitig auf, um noch von einem Warnwestenträger auf Slowakisch angesprochen zu werden. Nach einem kurzen Wortwechsel dreht er sich im Gehen zu mir um. „Weißt du, wo wir hier gelandet sind?“, sagt er mit einem Grinsen auf dem Gesicht und einem Unterton, den ich nicht ganz eindeutig zuordnen kann. Auf jeden Fall scheint er zumindest kein Problem mit so einer „Pride-Veranstaltung“ zu haben.
Wir kommen zur Mitte des Platzes, auf dem gerade eine international bekannte tschechische Musikerin spielt. Wir sehen jedoch mehr Aufpasser in Warnwesten als Zuschauer. Zwei Mädchen kommen auf uns zu. „Habt ihr einen Moment Zeit?“. Mein inzwischen wieder telefonierender Kollege scheint nicht den Eindruck zu machen, es kommt nicht zum Gespräch. Auf der anderen Seite verlassen wir den Platz wieder und reihen uns schließlich in die Warteschlange des Restaurants ein.
Während wir essen, sehen wir auf der Straße vor allem zwei auffällige Gruppe, jeweils etwa ein halbes Dutzend. Die Polizisten mit ihren teilweise recht umfassenden Panzerungen haben wir auch schon vorher gesehen. Die Nationalisten sehe ich das erste Mal hier. „Ach, der da ist mein Kumpel“, bemerkt meine Begleitung fast beiläufig. Sein gerade eben hier zufällig getroffener Freund schnaubt. Beide Gruppen werden größer. Als wir fertig gegessen haben und wieder nach draußen kommen, hat sich die Gruppe der Nationalisten bestimmt verdreifacht, die Polizei hat nachgezogen.
Es ist Zeit für meine mündliche Prüfung. Als ich danach wieder auf den Platz komme, scheint das Hauptgeschehen hier schon vorüber. Lange Zweierreihen gepanzerter Polizisten strömen in Richtung Bus, sie haben ihre Arbeit offenbar getan. Die „Regenbogenparade des Queer Leaders Forums“, wie ich später in der Presse lese, ist losgezogen und bedarf offenbar keinem weiteren Schutz. Die ein wenig das Programm auf dem Platz verfolgt haben, erzählen uns, wie die Zuschauer angewiesen wurden, zu ihrer eigenen Sicherheit alle Accessoires später abzunehmen, die sie als Teilnehmer der Veranstaltung identifizieren. Laut Pressespiegel der Deutschen Botschaft am folgenden Montag „stellen die Zeitungen fest, dass der Regenbogenmarsch ein Erfolg der Organisatoren und der Polizei war – dieser sei es gelungen, einen gewalttätigen Angriff von ca. 50 Neonazis auf die Marschteilnehmer abzuwenden.“ Ein ungutes Gefühl lässt sich nicht wegreden.
7 Kommentare
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Aw, this was a very nice post. In thought I want to put in writing like this additionally – taking time and actual effort to make a very good article… however what can I say… I procrastinate alot and not at all seem to get something done.
Nette Informationen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Bin gespannt auf neue Posts!
Auf meinem Handy sieht deine Seite irgendwie kaputt aus.
Hast du noch mehr Inforationen darueber ?
Mahlzeit, ich bin mal so frech und schreibe mal was im Blog. Sieht schoen aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt diverse Sachen verstehe ich aber noch nicht. Deine Seite ist mir da immer eine grosse Motivation. Weiter so!
Hallo Erich!
Vielen Dank für deinen Kommentar.
Das stimmt, learning by doing ist immer wieder eine sehr schöne Erfahrung. Ich bin inzwischen mit meinem nächsten Blog beschäftigt und habe bis heute nicht alles verstanden. Manchmal hat WordPress wohl einfach sein Eigenleben
Viel Erfolg weiterhin beim bloggen!
Viele Grüße
Daniel
Lehrreicher Post. Cool, wenn man sowas auch mal aus einer anderen Perspektive beschrieben lesen kann.