Einen Monat später

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie auch noch heute.

Ich bin nicht gestorben. Ich lebe noch. Das Märchen vom Auslandsaufenthalt in Warschau ist vorerst vorbei. aber wie heißt es so schön: Die Geschichte endet nicht mit dem letzten Blogeintrag. (Oder so ähnlich).

Heute vor exakt einem Monat habe ich mich in Warschau in den Zug gesetzt. Es war Fettdonnerstag und ganz traditionsgemäß bin ich früh morgens noch in den Laden unten im Haus und habe zwei pączki (zu deutsch: Pfannkuchen, Berliner, Krapfen oder Kreppel – der Einfachheit halber bleibe ich bei der polnischen Bezeichnung) gekauft. Denn auch wenn Karneval in Polen nicht groß gefeíert wird: Das große paczki-Fressen am Fettdonnerstag ist ein wichtiger und sehr sympathischer Bestandteil. Gut gesättigt ging es ab in den Zug, wo mein Sitz doppelt reserviert war, erst von einem polnischen Pärchen, dann von einer deutschen Schulklasse. Man drapierte sich liebevoll um mich herum. Umsteigen in Berlin Ostbahnhof, weiter nach Potsdam, wo ich von meinem gutherzigen ehemaligen Mitabiturienten Sören vom Bahnhof abgeholt wurde.

Potsdam

Noch am Tag zuvor hatte ich gedacht, ich kann nicht jetzt einfach so zurück nach Hause. Da treffen zwei komplett unterschiedliche Lebensstile aufeinander, ich brauche eine Pause, in der ich vom einen auf den anderen umschalten kann. Ich kann nicht einfach so in den Alltag zurück. Nach diesem einen Abend und der Nacht in Potsdam war ich dermaßen entspannt und bereit, dass ich mich beinahe ein bisschen ärgerte: Noch kann ich nicht zurück. Zuerst stehen 5 Tage Nachbereitungsseminar am Werbellinsee an.

Selbstverständlich war dann alles halb so wild. Es gab den Wald, es gab den See. Es gab endlich wieder gute Luft. Es gab gute Geschichten zu hören von den übrigen Rückkehrern. Und selbstverständlich freute man sich über die bekannten Gesichter. Iria (ehemals Danzig) und Uschi (ehemals Łódź) saßen noch auf der Heimreise mit mir im Zug; erst ab Düsseldorf war ich alleine. Und schon am Aachener Bahnhof wurde ich wieder abgeholt. Glücklich.

Der Werbellinsee

Die ersten Tage waren fremd. Manchmal ist auch zurückkommen eher so wie neu ankommen. Am zweiten Morgen stand ich etwas verzweifelt mit den Resten vom Frühstück bei uns im Flur; mein Freund saß schon in seinem Zimmer, um eine Mail zu beantworten. Ich klopfte kurz, guckte durch die Zimmertür und fragte: „Wie trennen wir nochmal den Müll?“

Auch andere Dinge verwunderten mich: Wie viele verschiedene Sprachen gesprochen wurden; dass ich plötzlich wieder Dialoge von fremden Leuten an der Ampel verstehen konnte; wie viele Briefkästen hier überall herumstehen und dass das doch fast ein bisschen viel ist. Auch der Euroschein sah erstmal ein wenig befremdlich aus. So bunt.

Aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten war der Rückeinstieg doch recht leicht. Ich schrieb mich wieder an der Uni ein, ich bewarb mich um einen Job als studentische Hilfskraft (den ich auch bekam), ich nahm an einem ersten Treffen für ein mögliches ehrenamtliches Engagement teil. Wir möbilierten unsere Wohnung neu und räumten um. Ich hielt den Kontakt zur neuen Freiwilligen in Warschau, die meine Wohnung übernommen hatte. Ich fuhr durch die Gegend, ich traf Freunde. Am ersten Märzsamstag haute es mich richtig aus den Socken. Ohne dass ich davon wusste, hatten sich meine Aachener Kommilitonen plus meine Familie in Aachen verabredet – um zu frühstücken und um mich zu überraschen. Allein dass die Aachener mich willkommen hießen, hätte mich schon gefreut. Aber dass die Verwandschaft aus Münster, Lippstadt und Frankfurt a.M. auch angereist kam, war schier überwältigend. Und das Frühstück war auch gut. Zur Freude meines Neffen verbrachten wir den Rest des Tages im Gaia-Zoo in den Niederlanden, was mich nun wieder vollkommen verwirrte. Schon wieder eine andere Sprache, die man nicht beherrscht, und schon wieder neue Produkte in den Supermarktregalen. Wenigstens die Währung bleibt gleich.

Kletterpark im Zoo

Nach drei Wochen Aachen fuhr ich dann zurück in die Heimat zu meinen Eltern. Wann wird man schon das nächste Mal wieder so lange Zeit frei haben? Auch hier gibt es noch das ein oder andere altbekannte Gesicht zu begrüßen… auch wenn generell wenig los ist: Die meisten Freunde aus Schulzeiten stecken entweder mitten in der Prüfungzeit, im neuen Semester oder gehen arbeiten und sind unter der Woche nicht ansprechbar. Und so habe ich Zeit.

Und kann hier sitzen.

Und meinen letzten Blogeintrag schreiben.

Macht es gut, meine treuen Leser! Ich danke fürs Zuhören. Es war sehr schön mit euch.

Pozdrawiam serdecznie, das Mädchen mit der Clownsnase

2 Gedanken zu „Einen Monat später

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