Besuch aus Aachen

Noch in der Woche zuvor hatte Uschi prophezeit, ich würde wohl diejenige sein, die in Polen am meisten besucht werden wird, weil ich in der Hauptstadt wohne. Was das letzte Wochenende anging, hatte sie auf jeden Fall recht, auch wenn der Besuch von Resa wirklich nicht überraschend kam.

Resa und Ich

Resa ist eine Kommilitonin aus Aachen und hatte bereits vor meiner eigenen Abfahrt ihre Züge gebucht. Und so kam es auch, dass ich mir von vornherein ein paar Touristenattraktionen übrig gelassen hatte, die nun der Reihe nach abgeklappert wurden:

Centrum

Als erstes ging es zum Kultur- und Wissenschaftspalast im Centrum, bzw. bis nach oben in die 30. Etage. Dafür muss man zwar Eintritt zahlen, aber dafür hat man von der Terrasse auch einen guten Rundblick über die gesamte Stadt und einen Postkasten gibt es wahnsinnigerweise sogar auch.

Blick vom Kulturpalast

Am Abend ging es in eine Vorstellung vom Planetarium, die meine Polnischlehrerin mir empfohlen hatte: Livemusik zu einer Animation des Kosmos. Da man im Planetarium eher liegt als sitzt, war die Animation äußerst beeindruckend, die Livemusik jedoch … war … Geschmackssache. Ein Akkordeon mit Elektro zu kombinieren ist eben gewagt.

Am nächsten Tag ging es zunächst zusammen mit zwei Erasmus-Freunden in das Museum des Warschauer Aufstand, was aber am Wochenende einfach zu voll ist, um es empfehlen zu können. Nichtsdestotrotz zeigt es sehr detailliert ein Stück Deutsch-Polnische Geschichte auf, mit der ich mich bis dato kaum befasst hatte.

Schließlich musste auch die Altstadt gezeigt werden, das gehört zum guten Touristenpaket nunmal einfach dazu. Nichtsdestotrotz habe ich von der Altstadt eine eStare Miastotwas eigene Meinung. Sie ist zweifellos hübsch und höchst vermutlich ein Unikat, jedoch wirkt sie für mich immer wieder sehr aufgesetzt und zurechtgeputzt. Das liegt nicht nur daran, dass sich hier ausschließlich Cafés, Eisdielen und Bernsteinläden aneinanderreihen, es liegt vor allem daran, dass sie tatsächlich sehr künstlich erschaffen worden ist. Nachdem im zweiten Weltkrieg etwa 90% des Stadtteils zerstört worden waren, hatte man beschlossen, alle Gebäude komplett neu wieder aufzurichten. Allerdings nicht so, wie es vorher war, sondern so, wie es im 18. Jhd vermutlich ausgesehen hatte. Dieser Entschluss hatte rein ästhetische Gründe (erzählte zumindest die Stadtführerin). Und an manchen Stellen hat man dann doch auch lieber Elemente eingebaut, die noch ein bisschen schöner und ruhmträchtiger waren als die damalige Realität…

Free Walking Tour durch PragaDas gefühlte Highlight war der nächste Tag, an dem wir an einer Freewalking-Tour durch Praga teilnahmen. Praga ist der Stadtteil auf der „anderen“ Weichselseite, und wie so oft kursieren um diesen Stadtteil einige Mythen und Gerüchte und Erzählungen. Der kriminellste Stadtteil soll es sein, bezogen auf die Mordrate. Nachts sollte man nur die Hauptstraßen entlanggehen. Die Menschen dort seien anders, dafür habe sich aber auch eine wahre Szene an alternativen Pubs, Clubs und Streetart aufgetan.

die WeichselMein eigener Eindruck ist: Praga ist schon irgendwie anders. Alleine dadurch, dass es im Zweiten Weltkrieg nicht so hart getroffen wurde wie die linke Weichselseite ist die Architektur viel artenreicher. Auch an Streetart war viel mehr zu sehen, das stimmt. Aber ob die Leute anders sind? Ich denke, dass kann man durchs Zugucken nur schwer beurteilen. Unterscheiden sich nicht alle Leute voneinander?

Streetart in Praga

Zurück in der „zivilisierten Welt“ (Zitat der Stadtführerin), gab es noch eine Sache, die ich unbedingt ausprobieren wollte: Ein Ein Gott aus SchokoladeWedel-Café. Wedel ist eine Warschauer Schokoladenfabrik und hat an mehreren Stellen in der Stadt Cafés, die sich ganz der Schokolade verschrieben haben. Ein Traum für jeden Nicht-Laktoseintoleranten! Die heiße Schokolade (verfügbar in vier Helligkeitsstufen und mit verschiedensten Zusätzen von Himbeere über Minze bis gesalzenes Karamell) ist teilweise so dick, dass sie eher an Pudding erinnert.

LasienkiparkWeil wir uns so lange an der Schokolade ergötzten, konnten wir nur noch im Dunkeln kurz in den Lasienkipark springen. Der vermutlich berühmteste Park in Warschau hat aber auch bei Nacht noch seinen Reiz.

Es war schön, Besuch zu haben. Ich freue mich auf Weiteren… Aber wenn Uschi Recht hat, wird der nicht allzu lange auf sich warten lassen

.der Schatten

3 Gedanken zu „Besuch aus Aachen

  1. Also! Die Altstadt sieht wirklich hübsch aus! Wenn man das ganze Wiederaufgebaue mal außer acht lässt.

    Zu den Menschen würde unser Vater nun sagen „Man kann den Menschen immer nur vor den Kopf gucken“. Wenn ich allerdings an mein Gependel zwischen Münster und Gelsenkirchen denke, muss ich schon sagen, dass man zumindest gewaschene von nicht gewaschenen Köpfen gut unterscheiden kann 😀 … Über den Charakter sagt das allerdings wohl immer noch sehr wenig aus.

    Die Schokolade macht mich unglaublich neidisch! Auch wenn ich sie in der Form nicht hätte trinken dürfen…. Schokolade macht die Welt einfach immer zu einer besseren!

    Und Besuch: Wann darf ich kommen???? =)=)=)=)=)=)=)=)

    • Du darfst gerne im Januar kommen! Es gibt übrigens auch laktosefreie Schokolade im Angebot, aber selbstverständlich ist das Angebot natürlich etwas beschränkter.

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