Eine Weile unendliche Weite

Es ging los. Mit dem Nachtbus raus aus Buenos Aires und auf nach Cordoba. Kulturweitler treffen, Spaß haben, frei haben, Tourist sein.

Ich war voller Vorfreude und irgendwie auch ganz aufgeregt. Argentinien ist rieeesig, abenteuerreich und wunderschön. Schon im Bus konnte ich mich gar nicht satt sehen. Buenos Aires hat seine ganz besondere Geschichte, aber spiegelt definitiv auch nicht nur annähernd das Land Argentinien wider, das einfach herausragende Naturvielfalt besitzt. Ich bin durch weite Felder gefahren, habe den Sternenhimmel durch das Fenster beobachtet und verzweifelt versucht nicht alle paar Stündchen aus meinem Semi-Cama Bussitz aufzuwachen.

Früh am morgen trudelten wir dann in Cordoba ein und machten uns mit einem Stadtplan in der Hand auf die Suche nach unserem Hostel.

Dort erwarteten uns dann schon bekannte Gesichter. Gesichter, die uns mit der Zeit immer bekannter wurden, Gesichter, die immer mehr Geschichten teilten, Gesichter, die ich unheimlich lieb gewonnen habe.

Mit der Kamera in der Hand schlenderten wir durch die Straßen. Ein schönes Gefühl so befreit und sorglos durch die Stadt zu bummeln, Empanadas zu schlemmen, außergewöhnliche Drinks in Gossip Girl Atmosphäre zu genießen und anschließend das Nachtleben Cordobas zu erkunden. Am nächsten Tag machten wir dann eine wunderbar schreckliche Stadtführung. As you can see war die Free Walking Tour für 70 Pesos kein großer Erfolg. Do you know why this is important? Weil ich zukünftige Kunden abschrecken will, die sich vor Standartphrasen, gruseligem Englisch und nicht witziger Scherze schützen wollen.

Cordoba hingegen ist einfach nur toll! Cafes, die urig oder hipp scheinen, Preise, die bezahlbar sind und Leute, die offen und interessiert in die Welt blicken. Mein persönlicher Höhepunkt war ein Markt mit ganz vielen kleinen Ständen, an denen liebe Menschen schöne Dinge verkauft haben. Manchmal waren diese Dinge auch ganz schön verrückt. Ich persönlich wüsste nichts mit einem Schwammmonster anzufangen, aber größtenteils waren sie einfach kreative und handwerkliche Meisterleistungen.

Viel zu früh mussten wir dann das traute Hostel verlassen und uns auf den Weg zum Zwischenseminar machen, um noch mehr Gesichter zu treffen. Das zuvor beworbene dunkle Brot und der selbstgemachte Naturjoghurt ohne 4673kg Zucker machten den Abschied jedoch erträglich.

Besonderer Bestandteil, bärenstarker Begleiter und Beilaunehalter wurden die bombenleckeren Speisen, die uns in den regelmäßigen Abständen von 3 Stunden serviert wurden. Man könnte ja sonst verhungern. Behütet, beschützt und versorgt wie bei Oma genossen wir das Seminar, mit mal interessanten Themen, mal verwirrenden Aussagen und ganz viel Zusammensein. Die Kulturweitgemeinschaft, die Kulturweitfamilie wuchs von Tag zu Tag bis sie dann zu einer Exkursion nach La Cumbrecita aufbrach, einem Dorf, in dem keine Autos fahren dürfen. Dort machten wir uns auf den Weg zu einem Wasserfall und erkundeten anschließend auf Steinen kletternd den reißenden Fluss aus nächster Nähe. Nach der hier typischen Merienda, einem Nachmittagssnack, fanden wir uns dann fast alle unversehrt am Busbahnhof ein, um die Rückfahrt anzutreten. Zurück in das Naturparadies, in das karikative Deutschlanddorf, nach Villa General Belgrano. Während des Seminars wurde viel über Projekte gesprochen, die wir im Rahmen unseres Freiwilligen Sozialen Jahres durchführen können/dürfen/müssen. Wir unterhielten uns über Zweifel, Sorgen, Ängste und mögliche Reiserouten, unsere Erfahrungen und über unsere einzigartige, abenteuerreiche Zeit.

Da 5 Tage für all den Geprächsstoff, der sich im Laufe der Zeit so angesammelt hatte, aber nicht ausreichte, war ich sehr froh, dass sich mit mir noch 14 andere der 23 Leutchens auf zum Pueblo Escondido machten. 3 Stunden im Jeep durch die endlosen Weiten der Natur und anschließend 1 Stunde zu Fuß und mit dem Backpacker auf dem Rücken den Berg hinunter in ein Dorf, das früher als Unterbringung für Minenarbeiter diente. Glücklicherweise waren wir mit Guides unterwegs, die sich sehr darum bemühten, dass wir ungeschädigt und sicher am richtigen Ort ankamen und definitiv mehr Orientierungssinn haben als ich. Bewundernswert diese Leute, die sich einfach überall zurecht finden! Da wir auf der Hinfahrt erst gegen 19 Uhr ankamen, mussten wir uns beeilen, um vor Anbruch der Dunkelheit im Dorf zu sein. Es gibt Pumas in der Gegend, die insbesondere bei Nacht doch im starken Vorteil gegenüber von Menschen sind. An den strammen Schritten der Guides bemerkte man einen gewissen Stress, der aber durch den Witz und Charme unserer Naturexperten gekonnt ausgeglichen wurde. Angekommen fielen wir irgendwann müde in unsere Betten. Wir Mädels teilten uns unser Zimmer gemeinsam. Es gab ein jeweils 4-bettriges Hochbett für also 8 Personen, das von uns liebevoll als Liegewiese betitelt wurde und in dem man auch bequem und aneinandergekuschelt mit noch mehr Leuten Siesta halten konnte. Das Zusammenspiel von Zusammensein, wandern und Natur machte diesen Ausflug perfekt! Tatsächlich kann man sich das Erlebte kaum vorstellen.

Wenn man sich an den Gipfeln der Berge um 360° drehte, erblickten die Augen nichts weiter, als Grün, Steine und das ein oder andere Tier. Wenn man die Augen auf die wenigen Schilder im Dorf richtete, erkannte man, dass es kein WIFI gibt oder, dass die eine Brücke von nicht mehr als 3 Personen gleichzeitig betreten werden sollte. Wenn man auf dem Gipfel in das Postfach schaute, entdeckte man ein Büchlein, in dem alle Gipfelerklimmer unterschreiben konnten. Wenn man den Blick durch den Raum vor dem Abendessen streichen ließ, sah man viele Kulturweitler, die ihre Zufriedenheit, ihr Glück und ihre Liebe durch Massageeinheiten oder einen Bierumtrunk teilten. Wenn man in die Gesichter der Kulturweitler schaute, sah man friedliche und rundum zufriedene, hungrige Menschen, die es kaum erwarten konnten, dass das Essen serviert wurde. Wie schön selig all diese Gesichter doch immer waren, wenn dann die Dulce de Leche Panqueques serviert wurden. Wie schön diese Zeit doch war. Wie toll die Erinnerung doch ist!