Ankommen

Es ist Mittwoch letzter Woche, 6:30 Uhr. Ich bin am Bahnhof angekommen mit 2 Koffern, Laptoptasche, Beauty Case, einem großen Rucksack und schaue auf die Anzeigetafel um mein Gleis zu finden. Da ich mich mal wieder schwer entscheiden konnte und fast alles für wichtig erachtet habe, kann ich mein Gepäck kaum tragen und komme nur sehr langsam vorwärts. Auf dem Bahnsteig stelle ich fest, dass mein Zug nach Prag jetzt schon 20 Minuten Verspätung hat… ich aber in Prag auch nur 20 Minuten zum umsteigen habe. Also wende ich mich an eine Dame von der Deutschen Bahn, welche mir verspricht, dass ich den Anschlusszug bekommen würde. Aufgrund eines fehlenden Wagons wie es jetzt heißt, hat mein Zug aber fast 1 1/2 Stunden Verspätung, wie ich eine halbe Stunde später per Lautsprecher erfahre. Wieder am Schalter bucht man mich dann auf einen anderen Zug, da ich in Prag keinen Anschluss bekommen würde. Ich kann jetzt direkt nach Bratislava fahren, muss aber bis 9:10 Uhr am Bahnhof auf ihn warten. Naja, wenigstens ist es nicht kalt.

Dieser Zug kam dann auch mit nur 20 minütiger Verspätung. Da meine Sitzplatzreservierung für 4 Euro vom ersten Zug nicht mit umgebucht wurde, dauerte es etwas bis ich einen Sitzplatz fand. Auf dem Gang im Zug lief ein Mann in Arbeitskleidung hektisch auf und ab, und werkelte an verschiedenen Sachen herum. Im Laufe der Fahrt sprach er eine Zugbegleiterin an, warum diese ihn nicht kontrollieren würde, es könne ja Jeder in Bauarbeitermontur schwarz fahren. Beim ersten Halt in Dresden wurde über die Lautsprecher ein Bundespolizei Einsatz durchgesagt, ca. 20 Minuten später führten 8 Polizisten den „Bauarbeiter“, der misslaunig und aggressiv seinen Unmut über die Situation zum Ausdruck brachte, in Handschellen nach draußen.

Wir konnten weiter fahren. Nach knapp 9 Stunden Fahrt bin ich dann in Bratislava angekommen.

Wolfgang, ein deutscher Lehrer, welcher seit einem Monat in Bratislava wohnt und an der gleichen Schule wie ich unterrichtet, holte mich netterweise ab. Wir fuhren mit der Straßenbahn, diese ist das Hauptverkehrsmittel hier, in meine neue Heimat für 6 Monate gute 20 Minuten durch die Stadt Richtung Stadtrand. In Bratislava zahlt man die Straßenbahn Minutenweise: 30 Minuten kosten 90 Cent, 15 Minuten nur 70 Cent…                                  Wolfgang bestand darauf den Großteil meines Gepäcks zu schleppen und war beeindruckt, dass ich es geschafft habe so viele Sachen alleine nach Bratislava zu hieven. Der erste Eindruck war also erstmal positiv 😛 Ich wohne in der Neustadt, einem in den letzten 50 Jahren erbauten Stadtteil; Eine bunte Mischung aus Shopping Centren, modernen Loftwohnungen, Plattenbauten und Einfamilienhäusern. Nach guten 20 Minuten Fußweg über Schotter und älteren Asphalt fanden Wolfgang und ich das Haus, in dem sich die Wohnung befindet, in der ich ein Zimmer gebucht habe. Auf mein Klingeln reagierte Niemand. Ich rief J. an, den Slowaken der mir das Zimmer vermieten wollte. Er kann sehr gut deutsch und sagte mir, ich solle hinauf in seine Wohnung gehen er selber sei nicht da, aber es wäre Jemand da der mir alles erklären würde, da ich doch woanders unterkommen müsste. Obwohl er ein sehr netter Mann zu sein schien, ich kannte ihn ja nur vom telefonieren, war mir etwas mulmig und ich war froh Wolfgang bei mir zu haben, der sich bereit erklärte mit hinein zukommen. Oben wurden wir dann von zwei Bewohnern der Wohnung in Empfang genommen, einem Slowaken und einem deutschen Urlauber. Der slowakisch sprechende Mieter bot uns gleich ein Radler an, der deutsche Urlauber wollte lieber, dass wir von ihm ein Getränk nehmen und holte eine angefangene Wasserflasche aus dem Kühlschrank. Wir bedankten uns vielmals und nahmen das Bier. Die Beiden versuchten mir jetzt zu verklickern, dass mein Zimmer aus versehen doppelt  vermietet wurde und dass ich nicht in der Wohnung bleiben könne. Der deutsche Urlauber war sehr bemüht die Situation schnell zu regeln, touchierte des Öfteren meinen Arm oder meine Schulter und sagte, dass J. Ersatz gefunden hätte für mich, ein Zimmer in einer anderen Wohnung ganz in der Nähe und dass ich gleich dorthin abgeholt werden würde. Ich fühlte mich ein wenig bedrängt. Wolfgang bot mir darauf hin an, ich könne sehr gerne bei ihm eine Nacht schlafen, falls mir das nicht „koscher“ sei. Diese Möglichkeit nahm ich gerne an, welches dem deutschen Urlauber nicht gefiel. Er sagte scheinbar ein wenig beleidigt, ich müsse da jetzt mitmachen, ich dürfte die ganze Organisation jetzt nicht über den Haufen werfen… und verabschiedete sich dann mit den Worten, er wünsche mir viel Glück, aber das Ganze sei ihm zu viel.

Ich habe mich entschieden erst einmal abzuwarten. Eine halbe Stunde später kam eine nette, freundliche Frau, welche sich mir als Vermieterin meines neuen Zimmers vorstellte. Wir liefen dann zu meiner jetzigen Wohnung, auch dahin kam Wolfgang mit. Vielen lieben Dank dafür! Die Wohnung liegt ihm Dachgeschoss und hat alles was man braucht, gemütlich eingerichtet ist sie auch noch und ich fühlte mich direkt wohl.

Am nächsten Tag kam dann J., der wirklich ein sehr netter und fürsorglicher Mann ist und erklärte mir alle Bedingungen und Zahlungsmodalitäten, da er fließend deutsch spricht. Ich bedankte mich herzlich und war sehr erleichtert und froh, dass alles gut gegangen ist.

Am folgenden Tag war Staatsfeiertag in der Slowakei: Maria Siebenschmerzen. Marvin, ein anderer Freiwilliger und ich machten mit Wolfgang eine kleine Stadtführung, der sich schon erstaunlich gut auskennt für die kürze der Zeit. Den Rest des Tages verbrachten Marvin und ich am Kochajder See, einem Naherholungsgebiet ein par Straßen von unseren Wohnungen entfernt.

3 Gedanken zu „Ankommen

  1. Céline Grabow

    Herrlich wie du deine Anreise und dein Ankommen beschreibst Ulrike. Ich habe es vor mir gesehen und die ganze Zeit beim lesen vor mich hin geschmunzelt. Ich hoffe es läuft alles weiterhin gut. Liebe Grüße

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  2. Elisabeth Rickens

    Prima dass du das alles so lebendig und anschaulisch schilderst, es ist fast als wäre man selbst dabei! Halt die Ohren steif, und wenn etwas nicht klappt, in 30 Jahren lachst du darüber!

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