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Time to say goodbye…

So wirklich realisieren kann ich es noch nicht. Der Abschied steht an.

Der Abschied von meinen Schülerinnen, mit denen ich so viele schöne, lustige und manchmal auch anstrengende Stunden verbracht habe. Die immer offen zu mir waren und mir eine Menge geholfen haben. Ich hoffe, dass ich auch dazu beigetragen habe, ihren Horizont ein wenig zu erweitern und dass doch das ein oder andere deutsche Wort hängen geblieben ist. Was fest steht: Ich werde sie nie vergessen können. Nicht nur die Unterschriften und lieben Worte auf meiner Kenia-Flagge werden mich ewig an sie erinnern. Die Zeit an der Kaaga Girls‘ High School hat mich geprägt. Ich habe ein Schulsystem kennen gelernt, dass sich – vor allem in Bezug auf einige Prinzipien und Sichtweisen – sehr stark vom Deutschen unterscheidet. Ein System, das ich ziemlich hart finde und Schülerinnen, die eine ganze Menge über sich ergehen lassen müssen. Und dennoch habe ich immer wieder ihre Willensstärke, ihr Durchhaltevermögen und ihre Loyalität bewundert.

Form 1

Form 2

Form 3

Form 4 (nicht vollständig)

Aber auch ein Abschied von den LehrerInnen. Von Emmah, die sechs Monate meine „zweite Mama“ war und mich jederzeit unterstützt hat, mir alles Mögliche erklärt hat und einfach immer da war. Von Serah, der Küchenchefin, die immer ein paar liebe Worte parat hatte und es stets gut mit mir meinte (was das Essen angeht, vielleicht manchmal ein bisschen zu gut :D). Vom sonstigen Personal, das auf mein „Hello“ jeden Tag mit einem fröhlichen „Nzuri“ geantwortet hat und maßgeblich dazu beiträgt, dass die Schule das ist, was sie ist.

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite ist da der Abschiedsschmerz. Es ist traurig, eine Umgebung zu verlassen, die mir in einem halben Jahr jeden Tag ein wenig vertrauter geworden ist und sich mittlerweile sogar ein bisschen nach „Heimat“ anfühlt. Meine Wohnung, die Lehrersiedlung und die Stadt Meru, auch wenn ich lange noch nicht jede ihrer kleinen Gassen erkundet habe. Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch, bald wieder in Deutschland zu sein, meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen und einfach mal wieder nicht aufzufallen.

Und dann ist da noch die Dankbarkeit. Ich bin unendlich dankbar! Dafür, dass ich das Privileg hatte, an „kulturweit“ teilzunehmen. Für die Seminare mit unglaublich viel Input und für das kritische Denken, das ich dadurch gelernt habe. Für alle wertvollen Erfahrungen, die ich hier machen durfte, die mich persönlich wirklich weiter gebracht haben. Dafür, dass ich hier so freundlich empfangen wurde und in kritischen Situationen immer liebe Menschen an meiner Seite waren, die mich unterstützt haben. Auf diesem Blog habe ich meist nur über positive Erfahrungen und Erlebnisse berichtet. Und in der Tat, mein Freiwilligendienst war überwiegend von Freude gefüllt und eine Menge erlebt habe ich auch. Allerdings gab es natürlich auch mal Momente, die mich traurig oder sogar wütend gemacht haben. Vor allem waren das die Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich eben doch nicht zu 100% Prozent dazugehöre, auch wenn es sich manchmal so angefühlt hat. Zum Beispiel, wenn ich im Taxi oder auf dem Markt mehr bezahlen sollte, mein Gepäck extra berechnet werden sollte oder meine Hautfarbe automatisch mit Geld gleichgesetzt wurde. Sätze wie „I love you, because you have money.“ oder „Mzungu, be my sponsor!“ haben mich wirklich verletzt. Auf der anderen Seite gab es dann aber auch Situationen, wo ich die Großherzigkeit und Lebensfreude der Kenianer kennen lernen durfte. Als Emmahs Tochter krank war, sind alle LehrerInnen zu ihr nach Hause gekommen, um für sie zu beten und zu singen. Auch über den fröhlichen und lebhaften Gottesdienst habe ich schon öfters berichtet. Und feiern (und tanzen) können die Kenianer auch, das steht auf jeden Fall fest! 😀

Morgen werde ich meine Koffer packen und nach Nairobi fahren. Vier Tage später geht dann mein Flug Richtung Deutschland, wo mein Freiwilligendienst offiziell mit dem Rückkehrer-Seminar enden wird. Die nächste Freiwillige steht schon in den Startlöchern.

Bye bye, Meru! Kwaheri Kaaga! Danke an alle, die Kaaga für mich zu einem Zuhause gemacht haben! Nitawamiss! Ich werde euch vermissen!

Liebe Grüße, eure Lara 🙂

2 Kommentare

  1. Liebe Lara!
    Verrückt, wie schnell diese Zeit jetzt rumgegangen ist. Ein toller Beitrag, in dem ich mich oft wiedererkannt habe. Komm gut wieder nach Deutschland und grüß mir den Werbellinsee!
    Alles alles Liebe
    Theresa

  2. Klar, angemessen und ein Hauch leiser Wehmut – so empfinde ich deine Abschiedsworte in und ab Kenia und seine Menschen. Bis bald in Schiphol…

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