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Vom Schulalltag in Meru

Nun sind meine ersten Tage in Meru, oder besser gesagt in der Kaaga Girls High School, auch schon wieder vorbei und ich möchte behaupten, einen kleinen aber feinen Einblick in das Schulleben hier bekommen zu haben. Und das unterscheidet sich doch in einigen Punkten von dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin.

Erst einmal ein paar allgemeine Sachen über die Schule. Es gibt etwa 950 Schüler, die in vier Jahrgangsstufen aufgeteilt sind, die hier „Form“ genannt werden. In Form eins sind die Schülerinnen meist 14 oder 15 Jahre alt und in Form vier schließlich 17 bis 18. Alle Schülerinnen tragen eine Schuluniform mit einem aufgenähtem Kleeblatt. Dieses hat – je nach Form – eine unterschiedliche Farbe.

Auf dem sehr schönen Schulgelände befinden sich die Klassenzimmer, verschiedene Fachräume für z.B. Biologie, Chemie, Physik und Hauswirtschaft, eine große Halle u.a. für die Versammlung, die hier jeden Dienstag stattfindet, eine Mensa und natürlich einige Büros und das Lehrerzimmer. Zudem gibt es einen Computerraum und einen Deutschraum, wo ich mich den Großteil meiner Zeit aufhalte.

Ich wohne in einer kleinen Wohnung auf dem Schulgelände, die ich ja im letzten Blogeintrag schon erwähnt habe. Mittlerweile hab ich mir diese auch schön mit Fotos und Flaggen eingerichtet und die kahlen Wände so – zumindest aus meinem Schlafzimmer – verbannt. Auch meine Küche hat Zuwachs bekommen. Es gibt dort jetzt ein mehr oder weniger reichhaltiges Angebot an Bananen, Toast, Honig, Eiern, Spaghetti, Reis und anderen Lebensmitteln, die ich zur Standardausrüstung zählen würde. Mit einem leckeren Spiegelei habe ich die Küche vorgestern dann auch eingeweiht. Mal sehen, was da noch so folgen wird. Vielleicht auch mal was traditionell kenianisches?

Ich weiß, dass einige von euch bestimmt auf Fotos warten. Ich bemühe mich, so bald wie möglich welche hochzuladen (was aber aufgrund des Nairobi-Zwischenfalls im Moment nicht so einfach ist). Aber die Bilder kommen, versprochen. 😉

So, und wie sieht nun mein Tag aus? Ich stehe morgens immer zwischen sechs und neun Uhr auf.  Zugegeben, ein ziemlich großer Zeitraum, der dadurch zustande kommt, dass jeder Tag für mich etwas anders ist. Dienstag ist morgens um sieben Uhr zum Beispiel Assembly (Versammlung), wo alle Schülerinnen zusammenkommen, singen (wunderschön!), beten und einige Lehrer und die Schulleiterin Ankündigungen machen. Ansonsten habe ich manchmal schon um acht Uhr Unterricht, an anderen Tagen aber auch erst um zehn. Unterricht – das bedeutet für mich eigentlich Assistenz. Ich bin bei Emmah (der super lieben Deutschlehrerin) im Unterricht und helfe, wo ich kann: bei Fragen, bei Ausspracheübungen, beim Anschreiben von Sätzen, aber auch bei der Vorbereitung oder im Anschluss beim Korrigieren von Klausuren oder Extraaufgaben. Das macht echt Spass und ich finde es toll, wenn ich den Schülerinnen, die meist sehr engagiert sind, ein wenig helfen kann. Vielleicht werde ich bald auch ein paar kleine Einheiten übernehmen können, mal sehen.

Zu meinen Aufgaben zählt ansonsten auch die (Mit-)Leitung einer Deutsch-AG, wo einige Themen aus dem Alltagsleben noch einmal aufgriffen werden. Das soll vor allem Spaß machen und den Schülern die Möglichkeit geben, sich noch einmal mit der Sprache auf freiere Art auseinanderzusetzen. Dazu kann ich aber bestimmt bald mehr berichten.

Am Dienstag war ich außerdem beim Aerobic. So ein bisschen Sport tat echt mal wieder gut und es war schön, dort nochmal andere Schüler kennen zu lernen. Zwar bin ich bis jetzt noch ein Kandidat für die letzte Reihe, aber das kann sich ja ändern, zumal das Angebot jeden Dienstag und Donnerstag stattfindet.

Auch kulinarisch habe ich hier schon einiges kennen gelernt. Von Süßkartoffeln über Avocado (ja, auch die war mir neu) bis hin zu wirklich traditionellen Speisen wie Ugali, Mandazi Chapati, Kidgeri oder Samosa. Ich denke, dass ich dazu demnächst mal einen eigenen Blogeintrag schreiben werde (dann auch mit Fotos), damit ihr mal einen Eindruck davon bekommt, was hier so auf den Teller kommt.

Am Abend habe ich meist viel Freizeit, da die Schüler bis in den späten Abend mit Aufgaben beschäftigt sind. Hier wird sehr viel Wert auf Disziplin und Religion gelegt. Außerdem gibt es Bestrafungen für Schüler, die zum Beispiel zur Versammlung zu spät kommen oder zu laut sind, aber so etwas scheint an kenianischen Sekundarschulen wohl verbreitet zu sein.

Trotzdem muss ich sagen, dass es mir hier bisher sehr gut gefällt. Die Schülerinnen und die LehrerInnen, die ich bisher getroffen habe, sind echt nett und ich fühle mich mit jedem Tag wohler hier.

Für das Wochenende habe ich mir vorgenommen, die Stadt mal ein wenig zu erkunden, da ich bisher nur bis Makutano (einem kleinen Ort vor Meru) gekommen bin. Aber ich muss sagen, dass mich dieser Ort echt begeistert hat. Die Atmosphäre war irgendwie „familiärer“ als in Nairobi und am Straßenrand standen Menschen mit aufgedrehten Musikboxen, während andere getanzt haben. Das war wirklich faszinierend, da ich mir so etwas in Deutschland nie vorstellen könnte! Außerdem hatte ich im Supermarkt ein paar interessante Begegnungen mit Kindern, die vermutlich vor mir noch nicht viele Weiße gesehen haben. Sie wollten meine Haut gerühren und haben mich irritiert angestarrt. Ein kleiner Junge war total begeistert, als ich ihm ein High Five gegeben habe. 😀

Von Makutano werde ich bald bestimmt auch mal das ein oder andere Foto hochladen.

Das waren meine erste Eindrücke von der Schule und Makutano und es werden sicherlich nicht die einzigen bleiben.

Für alle, die es bis hier geschafft haben gibt’s zum Schluss noch zwei kuriose Dinge, die mir in meiner ersten Zeit an der Schule aufgefallen sind: Zum einen werde ich hier von den meisten LehrerInnen „Lala“ oder „Olala“ genannt. Das liegt daran, dass die Menschen aus Meru Probleme haben, dass „r“ richtig auszusprechen. Es wird immer wieder viel gelacht, wenn sich mal wieder jemand an der richtigen Aussprache versucht.

Zum anderen bekomme ich auf ein „Good morning“ oder „Hello“ oft die Antwort „Thank you, I’m fine“. Auch diese Erklärung hängt mit Sprache zusammen, genauer gesagt mit der Sprache „Kiswahili“. Denn auf Kiswahili begrüßt man sich mit „Habari“, was genau übersetzt „Nachrichten“ heißt und worauf man zum Beispiel mit „nzuri tu“ („nur Gute“) antwortet.

So, das war es erst einmal wieder von mir. Ich sende euch liebe Grüße nach Deutschland bzw. in alle Welt (zu meinen Mitfreiwilligen) und freue mich über Fragen und Kommentare!

Eure Lara 🙂

2 Kommentare

  1. 😀 😀 Ganz witzig Lara (Olala/lala) aber die ganze Wahrheit…Gott sei Dank, dass du nach Kenia gekommen bist sonst wuerdest du Avocados nicht probieren. 😉

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